Im Kampf gegen die Schulden geht die spanische Regierung ans Tafelsilber. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero kündigte im Parlament an, er wolle 30 Prozent der staatlichen Lotterie und bis zu 49 Prozent der Anteile an den Flughäfen des Landes verkaufen.

Nach dem Vorhaben der spanischen Regierung sollen private Lizenzfirmen das Management der Flughäfen von Madrid und Barcelona übernehmen. Bisher stehen praktisch alle spanischen Airports unter der Kontrolle der Flughafenbehörde AENA. Ein Interessent ist die Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport. Man prüfe derzeit eine mögliche Beteiligung, sagte eine Sprecherin. Noch sei aber nicht klar, ob die spanischen Flughäfen zu Fraport passten.

Im Anti-Krisen-Paket der sozialistischen Regierung sind auch Steuererleichterungen für kleine und mittlere Unternehmen vorgesehen. Dieser Schritt soll die Wirtschaft ankurbeln. Eine Sonderhilfe für Langzeit-Arbeitslose in Höhe von 426 Euro pro Monat wird dem Plan zufolge nach dem Auslaufen der bisherigen Regelung im Februar 2011 nicht mehr gezahlt.

Die EU-Kommission hieß das Maßnahmen-Paket gut. "Dies bestätigt die Entschlossenheit, mit der Reformagenda weiterzumachen", sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn. "Die Maßnahmen führen dazu, dass die Märkte wieder mehr Vertrauen gewinnen in die öffentlichen Finanzen Spaniens ", sagte der spanische EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia.

Die spanische Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado hatte am Vortag die deutsche Bundesregierung für die derzeitige Schuldenkrise in der Europäischen Union mitverantwortlich gemacht. Die Forderung Deutschlands, private Anleger ab 2014 an den Kosten der Rettungspakete für Schuldenländer zu beteiligen, habe zu den Spannungen auf den Märkten beigetragen, sagte die Ministerin. Oppositionsführer Mariano Rajoy widersprach den gegen die Bundesregierung. "Es wird sehr schwer sein, das Vertrauen zurückgewinnen, wenn der Regierung eine Ministerin angehört, die den Deutschen die Schuld für das gibt, was in Spanien geschieht", sagte der konservative Politiker.

Spanien leidet unter einer der höchsten Arbeitslosenquoten in Europa, unter einer stagnierenden Wirtschaft und hohen Refinanzierungskosten. An den Finanzmärkten wird spekuliert, das Land könnte Hilfen aus dem Rettungfonds von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds benötigen. Zapatero hatte das wiederholt ausgeschlossen. Die Regierung hatte zuletzt ein Sparpaket über 15 Milliarden Euro aufgelegt. Es sieht unter anderem Lohnkürzungen im öffentlichen Dienst vor.