Deutschland stöhnt. Über den vielen Schnee. Und, wie immer: über die Deutsche Bahn . Kaum schneit es in Deutschland ein wenig, bekommt sie es nicht auf die Reihe, die Reisenden pünktlich ans Ziel zu bringen. Stattdessen vereisen die Oberleitungen, fällt im ICE der Strom aus, frieren Zugreisende an den Bahnhofsgleisen, während sie auf hoffnungslos verspätete Züge warten.

Doch wie machen es eigentlich andere Länder? Gibt es dort das gleiche Chaos? Nicht immer, berichten unsere Korrespondenten. Das liegt nicht nur an der besseren Ausrüstung der Bahnunternehmen. Auch die Reisenden nehmen Ausfälle gelassener.

Russland

Ein harter Winter legt den russischen Bahnverkehr nicht so schnell lahm. Die staatliche Eisenbahn rühmt sich großer Pünktlichkeit. Der Passagierfahrplan wird, heißt es offiziell, mit einer Genauigkeit von 98,6 Prozent eingehalten. Sogar Züge aus Sibirien oder dem Fernen Osten fahren normalerweise auf die Minute pünktlich in Moskau ein. Das mag auch daran liegen, dass die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit oft nur 60 Stundenkilometer beträgt. Verspätungen lassen sich da bei einer Fahrtzeit von zwei bis fünf Tagen und Haltezeiten von 10 bis 40 Minuten an vielen Bahnhöfen leichter ausgleichen.

Sogar im wirbelsturmgeplagten Fernen Osten Russlands, wo Taifune mehr als einen halben Meter Schnee auf die Schienen wehen, sorgen Schneeräumzüge und 1500 mobilisierte Arbeiter für eine schnelle Rückkehr zum Fahrplan. Personal hat die Russische Eisenbahn noch genug: Mit knapp 1,2 Millionen Beschäftigten ist sie der größte Arbeitgeber des Landes.

Als am 26. Dezember nach einem Eisregen die Stromversorgung im Moskauer Umland ausfiel, stellten die Bahnwärter die Weichen von Hand um. Dieselloks kamen aus dem gut 300 Kilometer entfernten Smolensk, um liegen gebliebene Züge weiterzuschleppen. Die Verspätungen lagen zwischen 15 Minuten und sechs Stunden. Reisende im Kasaner Bahnhof in Moskau reagierten gelassen: "Das sind die Kräfte der Natur!", sagte ein Wartender, der auf seinem Koffer saß, "da kann man nichts machen!" Von Johannes Voswinkel

Schweiz

Die Bahn kommt. In der Schweiz sogar bei Schnee. Und der lag über die Weihnachtstage auch zwischen Romanshorn und Genf, Basel und Chiasso Dutzende Zentimeter hoch. Kam trotzdem mal ein Zug auf offener Strecke zum Stehen – ja, das passiert hierzulande ebenfalls –, betonten die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), am Defekt trage nicht das Wetter die Schuld. Die Botschaft lautete: Wir haben alles im Griff. Schließlich sorgt man vor. Auf den Hauptverkehrsachsen sind die 7000 Weichen allesamt geheizt, entweder elektrisch oder mit Propangas. Die Lokomotiven werden in Winternächten nicht vom Strom getrennt, somit bleiben sie auf Betriebstemperatur. Und damit das deutsche Bahnchaos nicht in die Alpenrepublik übergreift, holt man die Reisenden am Grenzbahnhof Basel mit Extrazügen ab.

Doch dann, am Dienstagabend: Stellwerkstörung in Zürich. Die tagesschau berichtete von "Chaos am Hauptbahnhof", von gestrandeten Reisenden. Es ging nichts mehr – für eine geschlagene halbe Stunde! Von Matthias Daum