Dass die Briten gerne übers Wetter reden, ist eine Schulbuchweisheit. Und sie stimmt auch. So hat die britische Bahn beispielsweise Verspätungen im Herbst jahrelang damit entschuldigt, dass nasse Blätter auf den Schienen lagen, oder, dass "der falsche Regen" fiel. Nun ist es der viele Schnee, der im Dezember nicht nur die Flughäfen lahm legte, sondern auch das Wirtschaftswachstum unter sich begrub. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres schrumpfte die britische Wirtschaft um ein halbes Prozent, und die amtlichen Statistiker machen vor allem den scharfen Wintereinbruch dafür verantwortlich, der dem Einzelhandel das Weihnachtsgeschäft vermieste, weil die Menschen lieber zu Hause blieben.

Dass die Zahlen bescheiden ausfallen würden, damit hatten alle Ökonomen und auch die Regierung gerechnet. Die wirtschaftliche Erholung hat längst nicht soviel Fahrt aufgenommen, wie in Deutschland. Aber mit einem solchen dramatischen Rückgang hatten selbst die größten Pessimisten nicht gerechnet. Nun besteht die Sorge, dass Großbritannien in diesem Jahr der Double Dip bevorsteht, der Absturz in die zweite Rezession.

Für die Koalitionsregierung aus Konservativen und Liberaldemokraten könnten die schlechten Wirtschaftsdaten kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Mit Beginn der neuen Haushaltsperiode im April führt sie ein drastisches Sparprogramm ein, das die Wachstumsaussichten für 2011 schon jetzt in Frage stellt. Innerhalb von vier Jahren werden die Staatsausgaben um knapp 19 Prozent, oder 113 Milliarden Pfund (130 Milliarden Euro) gesenkt. Seinen Kabinettskollegen hat der Schatzkanzler George Osborne aufgetragen, ihre Ausgaben um durchschnittlich 32 Prozent zu kürzen, und die Haushalte der Kommunen werden um rund neun Prozent schrumpfen.

Der liberaldemokratische Parteiführer und Vize-Premierminister Nick Clegg gibt selbst zu, dass es "ein Sparprogramm ohne historischen Vergleich ist". Aber, so sagt er, "es gibt einen guten Grund, denn auch das Defizit ist so hoch, wie noch nie". Es stimmt, hätten die Briten den Euro eingeführt, dann stünde das Land jetzt ebenfalls auf der Liste der Rettungskandidaten.

Das Haushaltsdefizit liegt bei 156 Milliarden Pfund, oder 11,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, was ungefähr der Größenordnung der Pleiteländer in der Eurozone, Griechenland und Irland entspricht, und die Gesamtverschuldung ist auf über eine Billion Pfund gestiegen. Für Nick Clegg und Premierminister David Cameron gibt es deswegen keine Alternative zum Sparen: "Die Zeiten werden hart, aber da müssen wir durch", erklären beide.