Die gute Konjunktur und die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt haben die Schattenwirtschaft in Deutschland reduziert. Nach Berechnungen des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) wurde im vergangenen Jahr 347,6 Milliarden Euro in der Schattenwirtschaft umgesetzt. Das entspricht 13,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) – so wenig wie seit 1995 nicht mehr. Den Rückgang um 4,2 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr erklären die Forscher mit dem Boom am Arbeitsmarkt. Viele Arbeitslose hätten wieder eine reguläre Stelle gefunden, hieß es.

Unter dem Begriff der Schattenwirtschaft fasst die Wissenschaft Schwarzarbeit, die illegale Beschäftigung von Ausländern und kriminelle wirtschaftliche Aktivitäten zusammen. Die genaue Erfassung ist schwierig, schließlich findet sie im Verborgenen statt. Das IAW-Forschungsteam orientiert sich deshalb an anderen Wirtschaftsfaktoren, die Auswirkungen auf die Schwarzarbeit haben. So führen nach Ansicht der Forscher zum Beispiel Steuererhöhungen zu einem Anstieg. Sie machen eine reguläre Beschäftigung teurer und Schwarzarbeit somit attraktiver.

In diesem Jahr soll die Schattenwirtschaft in Deutschland noch einmal um 1,8 Milliarden Euro schrumpfen, prognostizieren das IAW und der Schattenwirtschaftsexperte Friedrich Schneider von der Universität Linz in einer Modellrechnung. Demnach unterstellen sie einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um zwei Prozent. Weil dadurch mehr Menschen einen regulären Arbeitsplatz finden, sinke das Volumen der Schattenwirtschaft zunächst um 2,95 Milliarden Euro.

Zugleich gehen die Experten aber davon aus, dass in der Zeitarbeitsbranche ein Mindestlohn von 6,65 Euro in Ost- und 7,60 Euro in Westdeutschland eingeführt wird. Weil eine reguläre Beschäftigung so teurer wird, wächst die Schwarzarbeit um 300 Millionen Euro. Außerdem ließen die Beitragserhöhungen bei den gesetzlichen Krankenversicherungen zum 1. Januar 2011 die Umsätze der Schattenwirtschaft um 650 Millionen Euro, die höhere Arbeitslosenversicherung um 200 Millionen Euro steigen. Unter dem Strich ergebe das einen Rückgang um 1,8 Milliarden Euro auf 345,8 Milliarden Euro oder 13,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Unter den Mitgliedsländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegt Deutschland den Forschern zufolge damit im Mittelfeld. In den USA ist die Schattenwirtschaft mit sieben Prozent am niedrigsten, in Griechenland mit 25,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts am höchsten.

Abzuwarten bleibe jedoch, welche Auswirkungen die Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus acht osteuropäischen EU-Staaten ab dem 1. Mai 2011 haben werde, schreiben die Forscher. Dies lasse sich im Moment kaum abschätzen. Denkbar sei aber, dass bislang illegale Tätigkeiten etwa in der Pflegebranche legalisiert würden.