Donnerstag, 27. Januar, 16:24 Uhr: Es war das Panel zu Europa heute in Davos. Der griechische Premier Papandreou erklärte, sein Land sei auf dem richtigen Weg , und Europa müsse auch ökologisch zusammenwachsen. Der britische Vizepremier lobte das eigene Sparprogramm und outete sich einmal mehr als Euro-Freund, wenn er auch seinem Land gegenwärtig nicht zum Beitritt rät . Dazu der schwedische Grossinvestor Jakob Wallenberg, der die staatlichen Krisenretter der Jahre 2008 und 2009 lobte.

Der eigentliche, große Europäer auf dem Podium war aber ein Staatsdiener, kein Staatslenker: Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank.

Trichet erinnerte daran, dass der europäische Geldwert seit Beginn der gemeinsamen Währung stabil ist, und sagte, das werde er auch bleiben. Auch erklärte er, dass selbst 2010 die Euro-Zone insgesamt finanziell weniger über die Stränge schlug als die USA oder Japan.

Die Geldunion funktioniere, war seine Botschaft. Aber nicht die Wirtschaftsunion, die die Staaten lange vernachlässigt hätten. Ja, Deutschland, Frankreich und Italien hätten 2004 und 2005 ja sogar Maastricht aushebeln wollen.

Jetzt aber brauche Europa neue Regeln. Und da wolle die Zentralbank mehr als die Kommission der EU in ihrem Entwurf, der dann auch noch von den Regierungen geschwächt wurde. Trichet blieb hart: Europa brauche Sanktionen für Finanzsünder, die "quasi-automatisch" funktionierten. Man brauche das Vertrauen der Märkte. Dafür müssten die Regierungen jetzt enger zusammenarbeiten.

Voila. Man sollte Trichet nach seinem Ausscheiden in Frankfurt zum Chef der Brüsseler Kommission befördern.

Donnerstag, 27. Januar, 8:45 Uhr: Tom Friedman ist eigentlich ein entspannter Typ. Der Weltreisende und Kolumnist für die New York Times hat drei Pulitzer-Preise bekommen und diverse Bestseller geschrieben, zuletzt ein Buch über den Kampf gegen den Klimawandel . Doch dieses Jahr ist Tom Friedman angespannt, ein wenig zornig sogar.

Der Grund ist sein Heimatland, die USA, die dem Klimawandel nichts entgegensetzen. Da hat Obama das beste Energieteam der Geschichte um sich versammelt – von denen man heute so gut wie nichts sieht. Sie werden versteckt, weil es einer Bewegung von Industrie und rechten Politikern gelungen ist, das Wort Klimawandel zu einem Vierbuchstabenwort zu machen – amerikanisch für ein übles Schimpfwort. Deswegen gibt es in diesem Jahr kein Energiegesetz in Washington, und wohl auch nicht im nächsten.

© dpa

Weiter geht Friedmans Beschwerde. Während die USA erst einmal lahm liegen, zieht China einen Fünfjahresplan auf, der es zur führenden Nation für erneuerbare Energien und Energieeffizienz machen soll. Amerika verliert die Industrie – und die Führung in der Welt des Klimawandels und darüber hinaus. Außerdem bleibt es vollends abhängig von den Öllieferanten der arabischen Welt, die doch (siehe Tunesien und Ägypten) gerade eine Welle des Widerstands und Aufruhrs erträgt.

Friedmans letzte Hoffnung sind die amerikanischen Wissenschaftler und Unternehmer, die sich von all dem nicht anstecken lassen und die grüne Revolution vorantreiben.

Gibt es die? Durchaus, und Geldgeber dazu. Einer ist Alan Salzman, Venture-Capital-Geber im Silicon Valley, der gerade zwei Milliarden für grüne Technik locker macht und schon früh den E-Auto-Pionier Tesla finanzierte, der heute zum Teil Daimler gehört.

Also, geben wir Amerika aus grüner Sicht nicht auf. Schauen wir aber nach Kalifornien, nicht nach Washington.