Bundeskanzlerin Merkel verzog keine Miene, als sie in der Kongresshalle im schweizerischen Davos am Freitagabend der versammelten Welt in die Kopfhörer diktierte, wie es in Sachen Europa weiterzugehen habe. Selbstverständlich zollte Angela Merkel dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy Respekt, obwohl die beiden in der Euro-Rettungspolitik seit einem Jahr über Kreuz liegen. Sarkozy habe als turnusgemäßer Chef der G20 schon "die richtigen Akzente" gesetzt, sagte sie. Natürlich werde man den "Euro dauerhaft verteidigen". Und die Solidarität in der Eurozone hochhalten, betonte die Kanzlerin.

Dann kamen aber schon die Unterschiede, die Merkel seit März 2010, als die griechische Pleite plötzlich auf dem Programm stand, von Sarkozy trennen. Frankreich will den anderen Krisenstaaten der EU um jeden Preis aus der Pleite helfen, Merkel fordert als Gegengeschäft hartes Sparen und einschneidende Reformen. Keine Solidarität ohne "Solidität und Stabilität", betonte sie auch in Davos. Deshalb müssten die Empfängerländer ihre Hausaufgaben machen. Im Merkel-Code liest sich das so: "Die Verschuldung birgt große Gefahr für die Prosperität Europas."

Damit auch jeder die Botschaft richtig versteht, verwies Merkel auf die exzellente Arbeit der Deutschen: "Wir haben uns die Schuldenbremse auferlegt." Übersetzt: Alle mal herhören, Athen, Dublin, Lissabon. Wir sind das Vorbild für euch.

Und weiter ging es im Wirtschaftsseminar: Die deutsche Wirtschaft ist in der Krise um fünf Prozent geschrumpft. "Aber 2010 sind wir mit 3,5 Prozent gewachsen", sagte Merkel. Ergo, signalisierte sie, haben wir es richtig gemacht. Statt weitere Schulden aufzunehmen und auf höhere Staatsausgaben zu setzen, habe Deutschland einen Konsolidierungskurs gestartet – und sei sehr gut damit gefahren.

Im Merkel-Sprech: "Sparen und Wachstum stehen nicht gegeneinander." Denn just wegen der Haushaltsdisziplin hätten die deutschen Verbraucher wieder Mut gefasst; deshalb wachse auch der private Konsum und stütze den Aufschwung. Wer dagegen weiter auf eine expansive Finanzpolitik setze, werde Vertrauen und damit Wachstum verspielen.

Natürlich müsse die Eurozone die Wirtschaftspolitik besser koordinieren, aber bitte nicht im Sinne gemeinsamer Laxheit bei den Finanzen, sondern im Dienste der Wettbewerbsfähigkeit Europas. "Der Beste unter uns muss der Maßstab sein", sagte sie. Wer das wohl ist?

Und noch einmal: "Solidarität und Wettbewerbsfähigkeit." Deshalb auch Bedingungen für die Krisenstaaten: Griechenland und Co müssen ihre Hausaufgaben machen, wenn Europa sie vor der Pleite retten soll. Merkel in einem Satz? Ohne Schwitzen keine Spritzen.