Medwedjew war Mittwoch, Sarkozy war Donnerstag, doch Shakespeare war der interessanteste, auf jeden Fall der amüsanteste von allen. Mitgebracht hatten ihn Ken und Carol Adelman aus Washington, dazu ein paar elisabethanische Requisiten, die die Amateure aus dem Publikum des Weltwirtschaftsgipfels in Davos aufsetzen, um dann wie Polonius, Brutus oder der fünfte Henry zu deklamieren.

Das Fazit vorweg: Vergessen Sie das Dutzend Management-Bücher, das jährlich auf den Markt kommt. Greifen Sie sich den Dichter, der seit 400 Jahren die Charts anführt. Lesen Sie, was Shakespeare als erste Regel für das gedeihliche Geschäftsleben aufstellt: " The first thing we do, let’s kill all the lawyers " – "lasst uns alle Anwälte umbringen." Dann die Regeln, die Polonius seinem Sohn Laertes auf dem Weg zum Studium in Frankreich mitgibt: "Verleih Deinen Gedanken keine Zunge" – halt dich also beim Plaudern zurück, mein Junge. Höre zu, aber sagt den anderen nicht, wie man’s besser macht. Verwechsle Freunde nicht mit deinen 500 Facebook-Friends, aber die wenigen, die du gerne hättest, mögest du mit "Eisenreifen" an dich binden. Misch dich nicht in Konflikte ein, aber wenn, dann nur in solche, die du gewinnen kannst. Geld? Sei weder Gläubiger noch Schuldner. Vor allem: " To thine own self be true " – bleib dir immer selber treu. Das wäre schon mal der halbe MBA.

Das nächste Semester ist Konflikt-Management. Hier haben sich die beiden Adelmans eine berühmte Szene aus Julius Cäsar ausgesucht. Es ist Bürgerkrieg nach dem Mord an Cäsar. Brutus, der Gutmensch-als-Verräter, und Cassius, der Heißsporn, sind zwar auf derselben Seite, aber heftig aneinander geraten. Was jetzt zwischen den beiden abläuft, passiert in jeder Ehe, in so manchem Sitzungsraum. Shakespeare, sagt Adelman ist "wie ein Computer-Tomogramm, welches das Verborgene der menschlichen Gefühle sichtbar macht, die im Streit aufeinander prallen".

"Du hast doch", brüllt der eine; "hab ich nicht", schreit der andere zurück. "Du verstehst mich nicht" – "und du?" "Du hasst mich" – "du liebst mich nicht mehr." Die Verdächtigungen fliegen hin und her; was als Konflikt über das richtige Handeln beginnt, wird schnell persönlich und verletzend. Dann Selbstmitleid, das in die dramatische Geste umschlägt, als Cassius dem Brutus das eigene Messer in die Hand drückt und ihn auffordert, zuzustechen. Wie weichen beide vom Abgrund zurück? Indem Brutus ein Drittes in den Konflikt einbringt: den Tod seiner geliebten Frau Porzia, die auch Cassius verehrt.