Auch der Skandal-Futtermittelproduzent Harles & Jentzsch, der vor Weihnachten erhöhte Dioxinwerte an das Kieler Umweltministerium meldete, sei QS-zertifiziert gewesen, sagte QS-Geschäftsführer Hermann-Josef Nienhoff dem Handelsblatt. Bislang habe es keine Beanstandungen bei den Audits gegeben. Eine interne Kontrolle des Herstellers habe den Fall aufgedeckt. Er habe sich selbst gemeldet wie es das QS-System vorsehe. "Eine hundertprozentige Sicherheit, menschliches Versagen auszuschließen, gibt es nicht", sagte Nienhoff.

Die Kontrollen könnten nur schwer ausgedehnt werden: 600 bis 1000 Euro koste eine Dioxin-Analyse, dauere mehrere Tage und nur 13 Labore seien von QS anerkannt. So gab es in dem Branchen-Kontrollsystem 2010 nur 3960 Dioxin-Tests. Dabei gibt es allein in Deutschland 330 größere Mischfutterhersteller. Einen Kritikpunkt teilt Nienhoff mit der Politik: QS werde prüfen, ob Betriebe weiterhin gleichzeitig Fette für Tierfutter und solche für technische Anwendungen produzieren dürfen. So hatte es Harles und Jentzsch gehandhabt.

Auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sagte: "Es stellt sich die Frage, ob es nicht ein zu hohes Risiko darstellt, wenn Betriebe, die Bestandteile für Futtermittel liefern, gleichzeitig technische Produkte vertreiben, die unter keinen Umständen in Lebensmittel oder Futtermittel gelangen dürfen." Das Bundesverbraucherministerium werde gemeinsam mit den zuständigen Bundesländern prüfen, ob und wie die Zulassungsbedingungen für Betriebe, die Futtermittelrohstoffe liefern, verschärft werden müssten. Zudem sagte Aigner, sie wolle verhindern, dass durch das Öffnen eines falschen Ventils legal gelagerte, aber hochriskante Stoffe illegal in Futtermittel eingemischt werden könnten.

Auch die EU-Kommission ist alarmiert. Die Bundesregierung habe bislang nicht zweifelsfrei ausschließen können, ob verseuchte Eier in andere europäische Länder exportiert wurden. Das Problem könne also durchaus noch eine europäische Dimension annehmen, sagte ein Sprecher in Brüssel.

Die Staatsanwaltschaft jedenfalls hat bereits Ermittlungen gegen den Futtermittelproduzenten Harles & Jentzsch aufgenommen. Auch Verbraucherschutzministerin Aigner hält die Erklärungsversuche vonseiten der Verursacher für wenig glaubwürdig. Und der Bauernverband fordert Schadensersatz: Schließlich koste einen Bauern eine Woche Stillstand schnell 10.000 bis 20.000 Euro Umsatz.

(Erschienen im Handelsblatt)