Von der guten Konjunktur hat auch der deutsche Einzelhandel profitiert. Die Händler setzten im vergangenen Jahr zwischen 2,5 und 2,7 Prozent mehr um als im Krisenjahr 2009, teilte das Statistische Bundesamt auf Basis einer ersten Schätzung mit. Preisbereinigt dürften die Erlöse um 1,3 bis 1,6 Prozent gestiegen sein. Die Einzelhändler haben damit 2010 ein so hohes Umsatzplus wie seit sechs Jahren nicht mehr erzielt.

Zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts im November seien die Umsätze allerdings um 1,9 Prozent, real sogar um 2,4 Prozent gesunken. Analysten hatten dagegen mit einem Anstieg um 0,1 Prozent gerechnet. "Aufgrund der Schätzanteile in den Daten werden sich die Werte für November 2010 voraussichtlich noch erhöhen", sagen die Statistiker. Die Daten zum Einzelhandelsumsatz werden üblicherweise stark revidiert: Für Oktober meldeten die Statistiker nun nur noch ein preisbereinigtes Umsatzplus von 0,1 Prozent, nachdem zuvor von plus 2,3 Prozent die Rede gewesen war.

Besonders gut lief das Geschäft mit Bekleidung und Schuhen: Hier hatten die Firmen 10,2 Prozent mehr in den Kassen als vor Jahresfrist. Auch bei Internet- und Versandhändlern zog das Geschäft an. Schwächer lief es dagegen bei Getränkehändlern, Metzgern oder Feinkostgeschäften: Hier sanken die Erlöse um 0,1 Prozent.

Analysten bezeichneten die Zahlen als "eine negative Überraschung angesichts der positiven Stimmung". In den Einzelhandelsumsätzen sei von dem so viel heraufbeschworenen Boom des deutschen Konsums nicht viel zu sehen. Allerdings habe sich der private Konsum in den letzten Jahren immer besser entwickelt als die Einzelhandelsumsätze, hieß es bei der Commerzbank.

Der Einzelhandelsverband HDE erwartete fürs Gesamtjahr ein Wachstum von 1,5 Prozent. Auch im Dezember dürfte das Geschäft gut gelaufen sein: Der Verband berichtet von deutlich volleren Läden als im vergangenen Jahr und geht von einem Plus beim Weihnachtsgeschäft von 2,5 Prozent aus. Allein im November und Dezember erwirtschafteten die Firmen ein Großteil ihres Jahresumsatzes.

Für das laufende Jahr erwarten die Einzelhändler einen Zuwachs zwischen einem und zwei Prozent. Dabei beflügelt nicht nur die niedrige Arbeitslosigkeit die Stimmung: Firmen wie Bosch oder Audi ziehen Lohnerhöhungen vor, Experten halten wieder höhere Tarifsteigerungen für möglich. Das Marktforschungsinstitut GfK sagt für Januar ein stabiles Konsumklima voraus.