Das U-Wort, in Athen ist es ein Unwort. Ob nun Umschuldung oder Umstrukturierung , das Thema ist für die griechische Regierung tabu, in allen seinen jetzt diskutierten Varianten: vom Schuldenschnitt über eine Streckung der Laufzeiten griechischer Bonds bis hin zum Rückkauf von Staatsanleihen mit günstigen Krediten des Europäischen Rettungsfonds. Brauchen wir nicht, wollen wir nicht, würde nur schaden, heißt es vom Athener Finanzministerium.

Auch George Provopoulos, der Chef der griechischen Zentralbank, hält das Thema für Teufelszeug: "Schon die bloße Diskussion darüber schadet unserem Land", warnt er. Eine Restrukturierung der griechischen Staatsschulden würde "unkontrollierbare Kettenreaktionen auslösen und zu einer neuen, langfristigen Spirale des Misstrauens in die Zukunft der griechischen Wirtschaft führen", sagt Provopoulos.

Dennoch: Erst vor wenigen Tagen dachte Vize-Premier Theodoros Pangalos in einem Fernsehinterview laut darüber nach, ob es nicht sinnvoll sei, die Laufzeiten der bestehenden griechischen Staatsanleihen zu verlängern. "Ich glaube nicht an Schuldenstreichungen, aber ich glaube an die Verlängerung der Rückzahlungsfristen für die Schulden", sagte Pangalos zu mitternächtlicher Stunde dem Fernsehsender Skai TV. Prompt schossen am nächsten Morgen die Risikozuschläge für griechische Staatsanleihen in die Höhe.

Der Vize-Premier habe lediglich seine "private Meinung" geäußert, teilte der Athener Regierungssprecher mit. Das Athener Finanzministerium versicherte eilig, Griechenland werde seine Schulden pünktlich bedienen. Inzwischen verordnete Regierungschef Giorgos Papandreou seinen Ministern einen Maulkorb: Öffentliche Äußerungen zum Thema Schulden dürfe es nicht mehr geben, allein Finanzminister Giorgos Papakonstantinou sei berechtigt, über das Thema zu sprechen, verdonnerte Papandreou seinem Kabinett, bevor er mit Papakonstantinou zum Weltwirtschaftsforum nach Davos aufbrach. Dort wollen die beiden um Vertrauen für ihr schwer angeschlagenes Land werben.

Das dürfte nicht leicht werden. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg rechnen drei von vier Anlegern mit einem Zahlungsausfall Griechenlands. Dass die Debatte aus Sicht der Athener Regierung wenig hilfreich ist, liegt auf der Hand. Eine Umschuldung wäre ein politisches Fiasko für Premier Papandreou. Damit würden all seine Bemühungen, die unterminierte Kreditwürdigkeit des Landes mit einem harten Konsolidierungsprogramm wiederherzustellen, zunichte gemacht.