Die Deutschen müssen beim Gang in den Supermarkt immer mehr bezahlen: Im Durchschnitt stiegen die Preise im Jahr 2010 für Nahrungsmittel um 1,6 Prozent gegenüber 2009, das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Das war mehr als die Verbraucherpreise insgesamt, die im vergangenen Jahr nur um 1,1 Prozent gestiegen waren.

Einen Preisschub bei Lebensmitteln gab es zum Jahresende: Im Dezember stiegen die Preise um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, stärker als jemals zuvor im vergangenen Jahr.

Damit setzt sich ein Trend der vergangenen Jahre fort. Nahrungsmittel wurden seit dem Jahr 2005 um 13,0 Prozent teurer. Alle Verbraucherpreise zusammen stiegen in dem Zeitraum dagegen nur um 8,2 Prozent. Damit sind hierzulande Niedrigverdiener besonders stark von den steigenden Preisen betroffen, da sie einen relativ großen Teil ihres Geldes für Lebensmittel ausgeben müssen.

Im vergangenen Jahr wurden vor allem Obst (plus 5,2 Prozent) und Gemüse (plus 6,3 Prozent) teurer. Der Butterpreis machte einen Sprung um 23,7 Prozent. Hier aber gab es in den vergangenen drei Jahren laut Statistikamt immer wieder massive Preissprünge und Preissenkungen. Deutlich teurer wurde im vergangenen Jahr auch Fisch.

Fleisch und Milch verteuerten sich dagegen nur um 0,4 Prozent. Gesunken sind im Jahr 2010 die Preise für Süßwaren um 1,0 Prozent, besonders stark für Zucker (minus 11,6 Prozent). Auch Brot wurde leicht billiger (minus 0,3 Prozent).

Auch in diesem Jahr dürften die Lebensmittelpreise weiter steigen. Verbraucher müssten sich auf "moderate Preissteigerungen" einstellen, hatte die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) in Berlin mitgeteilt. Grund dafür sei, dass die Agrarrohstoffpreise im Laufe des Jahres 2010 "sprunghaft" gestiegen seien.

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner erklärte die Phase der billigen Lebensmittel für beendet. "Aber trotz allem ernähren sich die Menschen so preisgünstig und so vielfältig und sicher wie noch niemals in der Menschheitsgeschichte", sagte der Chef des Deutschen Bauernverbandes. Die Preise für Agrarprodukte werden nach seiner Prognose in diesem Jahr um zwei Prozent zulegen. "Unsere Kosten für Energie, für Düngemittel, für Betriebsmittel sind enorm gestiegen", sagte Sonnleitner. "Wir brauchen diese Preissteigerung."

Viele Hersteller hätten bereits Preiserhöhungen angekündigt. Die Lebensmittelpreise waren bereits im Jahr 2007 massiv gestiegen. Auch damals hatte der Boom vor der Finanzkrise zu einem Boom am Rohstoffmarkt geführt. Zwischenzeitlich waren die Rohstoffpreise im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise aber wieder in den Keller gefallen.