US-Finanzminister Timothy Geithner wählte drastische Worte: Sollte der Kongress die derzeitige Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar (etwa 11 Billionen Euro) nicht anheben, bestehe die Gefahr einer Staatspleite – mit "katastrophalen wirtschaftlichen Konsequenzen, die über Jahrzehnte zu spüren wären", schrieb Geithner in einem Brief an die Abgeordneten, aus dem amerikanische Medien am Freitag zitierten.

Der Minister erinnerte daran, dass der Kongress bislang immer die Schulden-Obergrenze angehoben habe, "wenn es notwendig wurde". Diese Notwendigkeit bestehe nun: Geithners Angaben zufolge betragen die Schulden der USA bereits 13,95 Billionen Dollar, die bisherige Schuldengrenze werde wahrscheinlich zwischen dem 31. März und 16. Mai erreicht. Das Finanzministerium könne dann zwar "außergewöhnliche Maßnahmen ergreifen, den Staatsbankrott aber dadurch nicht länger als acht Wochen hinauszögern, sollte die Grenze nicht angehoben werden."

Die US-Börsen reagierten allerdings gelassen auf die harsche Warnung des Finanzministers – gehört der Streit um eine Ausweitung der Schuldengrenze doch zum jährlichen Ritual zwischen Regierung und Parlament. Allerdings hatten die Republikaner die vergangene Wahl mit dem Vorwurf gewonnen, die Ausgabepolitik der Demokraten sei zu großzügig. Seit dieser Woche verfügen sie nun über die Mehrheit unter den Abgeordneten und hätten durchaus die Macht, die demokratische Regierung von Präsident Barack Obama finanziell aufs Trockene zu setzen.

Die Republikaner scheinen jedoch nicht gewillt, davon Gebrauch machen zu wollen: Seine Partei werde weitere Schulden zulassen, damit die USA im laufenden Haushalt nicht in Zahlungsnot gerieten, sagte der republikanische Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Repräsentantenhaus, Paul Ryan. Dahinter dürfte nicht zuletzt politisches Kalkül stecken: Als die Republikaner 1995 die ebenfalls demokratische Regierung unter Bill Clinton dazu zwang, einen Teil ihrer Zahlungen zu stoppen, ging es in den Umfragen danach bergab. Clinton wurde zwei Jahre später wiedergewählt.

Der neue Präsident des Repräsentantenhauses, der Republikaner John Boehner, war damals schon dabei und dürfte die Lektion gelernt haben. Allerdings pochte er trotz der angedeuteten Zustimmung zu einer Anhebung der Schuldengrenze noch einmal auf drastische Einsparungen bereits in diesem Jahr. "Das amerikanische Volk wird eine solche Erhöhung nicht zulassen, wenn Präsident und Kongress nicht zugleich die Ausgaben reduzieren", sagte Boehner.

Im vergangenen Jahr war das Defizit um die Rekordsumme von 1,3 Billionen Dollar gestiegen. Die Regierung hat angekündigt, zumindest im Verteidigungshaushalt Einschnitte vorzunehmen: Sie will hier in den kommenden fünf Jahren 78 Milliarden Dollar einsparen.