"Die Anleger sind bereit, bei großen Banken auf einen Teil der Rendite zu verzichten, weil sie wissen, dass der Staat diesen Instituten in einer Krise zur Seite springt", sagt Lustig. Aus den Bewertungsdifferenzen errechnen die Forscher den durchschnittlichen Wert der unausgesprochenen staatlichen Garantien für Großbanken. Ihre Schätzung ist atemberaubend: Die US-Regierung subventioniert jede Großbank im Jahr im Schnitt mit 4,7 Milliarden Dollar.

In den Jahren vor Ausbruch der Finanzkrise haben die versteckten Staatshilfen dramatisch zugenommen, stellen die Forscher fest. So seien die Subventionen für die Citigroup zwischen 2000 und 2005 um 45 Prozent gewachsen, bei der Bank of America lag das Plus gar bei 50 Prozent.

"Angesichts der enormen Anstiege bei den Bilanzsummen dieser Banken ist dies genau das, was man erwarten würde", schreiben die Forscher. Die versteckten staatlichen Subventionen lieferten starke Anreize für Banken, größer zu werden. "Aufgrund der asymmetrischen Staatsgarantien verändert sich das Risikoprofil von Banken allein dadurch, dass sie ihren Cash-Flow zusammenlegen."

Genau diesen Effekt haben Elijah Brewer von der De Paul University, Chicago und Julapa Jagtiani von der Federal Reserve Bank of Philadelphia in einer separaten Studie empirisch nachgewiesen. Die beiden Forscher stellen fest: Zwischen 1991 und 2004 waren zahlreiche Fusionen von Banken in den Vereinigten Staaten dadurch motiviert, den Too-big-to-fail -Status zu erreichen. Die Privilegien waren so viel wert, dass mittelgroße Geldinstitute erhebliche Preisaufschläge zahlten, wenn eine Übernahme sie über die Schwelle hievten, ab der sie TBTF-Status hatten.

In der Studie How Much Did Banks Pay to Become Too Big to Fail? haben die Forscher 411 Fusionen von US-Banken zwischen 1991 und 2004 analysiert. Sie konzentrierten sich auf die Preise, die das übernehmende Institut bezahlte und verglichen diese mit dem Börsenwert unmittelbar vorher. Als Schwellenwert für den Too-big-to-fai l-Status zogen sie eine Bilanzsumme von 100 Milliarden Dollar heran.

Immer dann, wenn die Bilanzsumme eines Instituts durch eine Fusion diese Schwelle überschritt, waren die Preisaufschläge deutlich höher – auch, wenn man andere Faktoren wie die Größe des Übernahmekandidaten und sein Risikoprofil berücksichtigt. Im Schnitt zahlten Banken für den TBTF-Status Preisaufschläge von 14 bis 17 Milliarden Dollar.

Der anhaltende Trend zu Großfusionen in der US-Finanzindustrie bereitet Brewer und Jagtiani große Bauchschmerzen – diese Entwicklungen drohten die Funktionsfähigkeit von Bankensystem und Realwirtschaft zu behindern.

Unter dem Strich liefern beide Studien gute Argumente dafür, dass die Bankenaufseher Großbanken härter anfassen – zum Beispiel durch strengere Eigenkapitalvorschriften oder Fusionsbeschränkungen. Und klar ist eines: Fördern sollten Regierungen die Konzentration im Bankensektor auf keinen Fall.

(Erschienen im Handelsblatt)