Der harte Winter hat den Wirtschaftsaufschwung in Deutschland zum Jahresende gebremst. Mit einem preis-, saison- und kalenderbereinigten Wachstum von 0,4 Prozent zum Vorquartal waren die Monate Oktober, November und Dezember das schwächste Vierteljahr 2010. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.

Dennoch bleibt der Trend positiv: In allen Quartalen lag den Angaben zufolge die Wirtschaftsleistung deutlich über dem Niveau des Krisenjahres 2009. Auch im Schlussquartal stieg das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent. Für das Gesamtjahr 2010 bestätigten die Statistiker ein Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent. Damit arbeitete sich Deutschland im Rekordtempo aus der Krise: 2009 war die Wirtschaftsleistung noch um 4,7 Prozent abgestürzt.

Positive Impulse kamen im letzten Viertel 2010 vor allem vom Außenhandel. Zudem trugen Investitionen der Unternehmen in Maschinen und Ausrüstung sowie der Konsum zum Wachstum bei. Der witterungsbedingte Rückgang vor allem der Bauinvestitionen konnte so ausgeglichen werden.

Dennoch verhinderten Schnee, Eis und Frost ein stärkeres Wachstum: Der harte Winter legte wochenlang viele Baustellen lahm. Die Bauproduktion brach im Dezember so stark ein wie noch nie seit Beginn der gesamtdeutschen Statistik 1991. Da dies schon bald aufgeholt sein dürfte, reagierten Experten aber gelassen.

"Die Wachstumslokomotive Deutschland fährt weiter mit viel Kraft voraus", kommentierte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die Zahlen. "Es ist nicht der Anfang vom Ende des Aufschwungs, sondern eine Verschnaufpause", sagte auch Deutschland-Chefvolkswirt Andreas Rees von Unicredit. Die Binnennachfrage werde für deutsche Verhältnisse sehr kräftig sein. "Im Moment deuten die Frühindikatoren darauf hin, dass wir kurz vor dem konjunkturellen Höhepunkt sind", sagte Rees.

Auf einen kräftigen Aufschwung deutet auch der Ifo-Geschäftsklimaindex hin: Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer kletterte zu Jahresbeginn auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. "Insgesamt wird sich der Aufschwung 2011 fortsetzen, wenn auch etwas langsamer", sagte WestLB-Experte Jörg Lüschow. "Wir erwarten ein Wachstum von 2,8 Prozent – das wäre aber immer noch überdurchschnittlich für deutsche Verhältnisse."

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sagt für dieses Jahr sogar ein Plus von drei Prozent voraus. Einer DIHK-Umfrage unter 28.000 Firmen zufolge sind die Unternehmen so optimistisch wie seit dem Boomjahr 2007 nicht mehr: Sie wollen deutlich mehr investieren und  300.000 neue Jobs schaffen.

Auch die Statistiker in Wiesbaden erwarten anhaltendes Wirtschaftswachstum, wenn auch nicht auf ganz so hohem Niveau: Würde das Wachstum im gesamten Jahr 2011 auf dem Niveau des Schlussquartals 2010 verharren, ergäbe sich für 2011 eine Wachstumsrate von 1,2 Prozent, rechneten sie vor.