Der nächste Präsident der Bundesbank soll Jens Weidmann sein. So will es jedenfalls Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), wie die Bild und AFP berichten. Nach Informationen der Zeitung soll das Bundeskabinett schon am Mittwoch über den Nachfolger des bisherigen Präsidenten Axel Weber entscheiden, der schon zum ersten April beginnen könnte. Weber hatte vergangene Woche seinen Abschied angekündigt.

Auch die FDP-Spitze sei mittlerweile damit einverstanden, dass der 42-jährige Weidmann direkt an die Spitze der Bundesbank wechselt, heißt es in dem Bericht weiter. Allerdings bestünden im Regierungslager weiterhin Vorbehalte gegen einen solchen direkten Wechsel aus der Regierungsarbeit in die Zentralbankführung. Er könne die politische Unabhängigkeit der Währungswächter beeinträchtigen. Auch die Zustimmung der SPD will die Kanzlerin noch einholen.

Federführend bei der Kandidatensuche und der Entscheidung ist das Finanzministerium. Notwendig ist aber, dass die gesamte Bundesregierung die Personalie billigt. Am Ende ernennt der Bundespräsident den Bundesbank-Präsidenten.

Mit Webers Verzicht auf eine zweite Amtszeit ist er auch für eine Kandidatur als Chef der Europäischen Zentralbank aus dem Rennen. Er hatte seinen Rückzug auch damit begründet, dass er im EZB-Rat mit seiner finanzpolitischen Haltung isoliert dagestanden habe. Weber hatte öffentlich kritisiert, dass die Zentralbank Anleihen von in Finanznot geratenen Staaten aufkauft und sie damit finanziell stützt.

Die Bundesregierung will gar nicht mehr unbedingt einen eigenen Kandidaten für den Zentralbankvorsitz präsentieren. Es sei "nicht in erster Linie eine Frage des Passes", welchen Kandidaten Deutschland unterstütze, sagte ein Regierungssprecher. Der Posten wird Anfang November frei, wenn Jean-Claude Trichet ausscheidet.

Frühestens im April werde diese Nachfolge-Frage verhandelt, kündigte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Brüssel an. Ursprünglich wollte die Regierung Webers Kandidatur im März öffentlich machen – sofern dieser sich hätte bewerben wollen. Als aussichtsreicher Kandidat ist derzeit noch der Chef der italienischen Notenbank, Mario Draghi, im Gespräch.