Sieht so die Zukunft der regenerativen Energien in Polen aus? Die Wirtschaftsberater der schweizerischen Consulting-Firma OSEC halten dies durchaus für denkbar. In ihrem Jahresgutachten erneuerbare Energien in Polen schrieben sie zuletzt über die dezentrale Versorgung, diese sei zwar wegen der hohen Kosten bislang "nur etwas für Enthusiasten". Produzenten jedoch, "die professionell und mit Geräten zu vernünftigen Preisen auf dem polnischen Markt einsteigen, dürften sich ihres Erfolges fast schon sicher sein". Das Land erlebt demnach die Ruhe vor dem Boom.

Daran glaubt auch Marek Poltorak. "Wir produzieren derzeit 50 Windräder im Jahr, aber unser mittelfristiges Ziel sind 25 pro Monat", sagt er und öffnet die Tür zu einem Nebenraum der Fertigungshalle. Es sieht dort aus wie im Hobbykeller eines Modellbauers. Auf den Werkbänken liegen Spachtel, Stechbeitel und Zollstöcke. High-Tech-Maschinen gibt es nicht. Poltoraks Leute feilen an jedem einzelnen Flügelblatt. Die Windräder haben eine Nennleistung von drei bis sechs Kilowatt. Zum Vergleich: Durchschnittliche Windturbinen deutscher Bauart erzeugen die tausendfache Menge Strom. "Wir produzieren für Otto-Normalverbraucher", sagt Poltorak. Der Erfolg gibt dem Kleinunternehmer recht. Ecosolar exportiert seine Anlagen nicht nur nach Deutschland und in andere europäische Staaten, sondern auch nach Korea und in die USA. "Auf dem polnischen Markt tun wir uns schwerer, weil unsere Kunden keinerlei Förderung vom Staat erhalten."

Das soll sich nun ändern. Erst vor wenigen Wochen hat die Regierung in Warschau einen Aktionsplan erneuerbare Energien vorgelegt, der Teil einer Versorgungsstrategie 2030 ist. Darin ist auch eine Unterstützung für dezentrale Windkraftanlagen vorgesehen. Daran beteiligen, wollen sich vor allem Branchenriesen wie die dänische Vestas oder die deutschen Unternehmen Siemens, Repower und Nordex.

Grzegorz Wisniewski vom Warschauer Institut für erneuerbare Energien rechnet mit einer Investitionssumme von 27 Milliarden Euro bis 2020. Doch Windkraft, Solartechnik und Biomasse haben im Ringen um staatliche Mittel zahlreiche Konkurrenten. "In Polen hat die Kohle weiterhin die stärkste Lobby", sagt Wisniewski. Fast zwei Drittel seines Energiebedarfs deckt das Land noch immer aus dem Verbrauch des Klimakillers Nummer eins.

Und dennoch: Die EU-Vorgaben zum Klimaschutz wirbeln den polnischen Energiemarkt durcheinander. Diversifizierung heißt das Zauberwort. Möglichst viele verschiedene Quellen will die Regierung anzapfen. Im westpolnischen Swinemünde entsteht derzeit ein Spezialterminal für den Import von Flüssiggas aus Algerien und Katar. Bei Danzig will Polen sein erstes Kernkraftwerk bauen. Und im Südosten des Landes gräbt man nach Schiefergas, einer Sonderform des Erdgases.

Für Poltorak ist all dies unter Umweltgesichtspunkten "ein Riesenbetrug". Von Kohle und Atomstrom hält er ohnehin nichts. "Aber nehmen Sie auch die Windkraft", sagt er beim Verlassen der Fertigungshalle in Radom. "Unsere Anlagen lassen sich mit einem Kleinlaster anliefern", sagt er und zeigt auf die Probeturbine. "Für große Windräder braucht man Spezial-Lkw, allein um die Flügel zu transportieren. Fahren können die aber nur auf breiten Straßen, die es bei uns in vielen Regionen gar nicht gibt. "Also wird man erst einmal die Landschaft plattwalzen, um anschließend umweltfreundliche Windparks zu errichten", sagt Poltorak.