Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat einen Nachfolger für den abgetretenen Klaus Zimmermann gefunden. DIW-Volkswirt Gert Wagner soll das Berliner Institut bis Ende 2012 übergangsweise leiten. Das Kuratorium werde am 11. Februar über diesen Vorschlag seines Vorsitzenden Bert Rürup entscheiden, teilte das DIW mit.

Wagner solle an der Spitze des Instituts bleiben, bis die Beurteilung des DIW durch die Leibniz-Wissenschaftsgemeinschaft im kommenden Jahr und die Berufung des neuen Präsidenten abgeschlossen ist. Von der Beurteilung hängt die öffentliche Förderung ab. Das DIW bekam 2009 nach eigenen Angaben 7,49 Millionen Euro vom Bund und 6,09 Millionen vom Land Berlin. Der 58-jährige Wagner, derzeit Leiter der Langzeitstudie Sozioökonomisches Panel (SOEP), soll von dem 37 Jahre alten Georg Weizsäcker unterstützt werden. Wagner wurde als Forschungsdirektor ans DIW geholt, um dessen Profil zu stärken.

Der Dienstvertrag Zimmermanns, der eigentlich bis Ende 2014 lief, werde vorzeitig am 30. Juni 2011 beendet, heißt es in der DIW-Mitteilung. Zimmermann werde aber, sofern das Kuratorium zustimmt, seine Funktion als DIW-Vorstandsmitglied vorzeitig niederlegen, damit er von sofort an eigene Forschungstätigkeiten betreiben könne. Zimmermann hatte nach Kritik an seinem Führungsstil und finanziellen Unregelmäßigkeiten im Institut am Dienstag seinen Abschied vom DIW angekündigt. Er war elf Jahre lang Präsident.

Aus dem Kuratorium wurde Kritik an der Informationspolitik des Vorsitzenden Rürup laut. Demnach wurden nicht alle Angehörigen des Aufsichtsgremiums, das für die Bestellung des Vorstands zuständig ist, über den Rücktritt Zimmermanns und die Personalvorschläge informiert. "Es wäre Rürups Aufgabe gewesen, das Kuratorium auf dem Laufenden zu halten", sagte ein Kuratoriumsmitglied. "Da liegt einiges im Argen beim DIW, offensichtlich ist auch Herr Rürup ein Problem."