Bundesbank-Präsident Axel Weber tritt zum 30. April vorzeitig von seinem Amt zurück. Das teilte Regierungssprecher Steffen Seibert nach einem Gespräch Webers mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag in Berlin mit. Der 53-Jährige Weber ist seit 2004 Chef der Bundesbank. Sein Vertrag wäre erst im April 2012 ausgelaufen. Die Kanzlerin und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hätten diese Entscheidung "mit Respekt für Professor Webers persönliche Gründe zur Kenntnis genommen".

Einen Nachfolger gibt es noch nicht, er soll in den kommenden Wochen bekannt gegeben werden. Die Gründe für Webers plötzlichen Rückzug sind immer noch unklar. Ursprünglich hatte Weber lediglich verlauten lassen, nicht für eine zweite Amtszeit an der Spitze der Bundesbank zur Verfügung zu stehen.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) bedauerte die Entscheidung. Weber habe für die Unabhängigkeit der Bundesbank gestanden und damit für eine der Grundfesten der Marktwirtschaft, sagte der Minister. "Er hat die Grundsätze einer auf Preisstabilität ausgerichteten Geldpolitik vertreten und verteidigt und damit das unverzichtbare Vertrauen der Wirtschaft und der Bürger in ein inflationsfreies Wachstum. In diesem Sinne hat er in nicht immer einfachen Situationen den Kurs der EZB mitgestaltet", so Brüderle.

Mit seinem Rücktritt bleibt Weber der Aufstieg in die höchsten Höhen der Währungspolitik nun versagt. Präsident der Europäischen Zentralbank wird er nicht mehr werden. Seine berufliche Zukunft ist noch unklar.

Seine Bilanz nach sieben Jahren an der Spitze der Bundesbank fällt zwiespältig aus. Als währungspolitischer Hardliner hatte sich der 53 Jahre alte Weber bei Bundesregierung, deutscher Bevölkerung und auch im EZB-Rat zu Beginn seiner Amtszeit viel Respekt und Ansehen erworben. Doch ausgerechnet als es in der Griechenlandkrise um das Währungssystem als Ganzes ging, konnte der Vertreter der größten europäischen Volkswirtschaft keine Lösungen anbieten.

Seine Kritik gegen die von Franzosen und Deutschen betriebene Aufweichung des Stabilitätspaktes teilten noch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und viele andere Währungsexperten. Doch Webers Kampf gegen den massenhaften Aufkauf von Anleihen kränkelnder Euro-Staaten wurde immer einsamer. Ökonomen halten Weber in dieser Frage politisches Versagen vor. Mangelndes diplomatisches Geschick und seine entschiedene Opposition gegen gemeinsame Euro-Anleihen machten ihn endgültig zum Albtraum-Kandidaten der Franzosen für den EZB-Chefsessel.