Es wäre ein großer Coup für die Deutsche Bank, wenn Axel Weber ihr neuer Chef würde. Aber so schnell die Gerüchte am Mittwoch aufkamen, Weber könnte Josef Ackermann dereinst beerben, so schnell wurden sie auch dementiert. Zwischen der größten deutschen Privatbank und Weber gebe es keine Vereinbarung über einen Wechsel, hieß es aus hochrangigen Finanzkreisen. Offiziell nahmen weder die Deutsche Bank noch die Bundesbank zu den Spekulationen Stellung.

Zumindest zeitlich würde der Wechsel genau passen. Die Amtszeit von Weber bei der Deutschen Bundesbank endet im April 2012. Informationen von ZEIT ONLINE zufolge hat er in vertraulicher Runde bereits angedeutet, für eine zweite Periode nicht zur Verfügung zu stehen. "Die Bundesbank wird als geordnetes Haus an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin übergeben", sagte eine Person aus dem engsten Umfeld Webers laut Nachrichtenagentur Reuters. Ein knappes Jahr später wird der Chefposten bei der Deutschen Bank frei. Ackermann will seinen auslaufenden Vertrag nicht erneut verlängern; spätestens zur Hauptversammlung im Mai 2013 ist Schluss. Ursprünglich wollte Ackermann bereits 2010 abtreten. Doch die Suche nach seinem Nachfolger gestaltete sich schwierig, und das ist sie bis heute geblieben.

Weber wird nicht zum ersten Mal als möglicher Nachfolger des äußerst erfolgreichen Deutsche-Bank-Chefs ins Spiel gebracht. Aber in der Reihe möglicher Erben stand er nie an erster Stelle. Viel häufiger wurde der Inder Anshun Jain genannt, der in London für das Investmentbanking der Deutschen Bank zuständig ist. Danach folgen erst einmal Manager aus der Führungsriege des Instituts – beispielsweise Risikovorstand Hugo Bänziger, Finanzvorstand Stefan Krause und Privatkundenvorstand Rainer Neske. Dann erst fiel bislang der Name Axel Weber. Die Deutsche Bank ließ verlauten, "ein externer Kandidat ist weiter sehr unwahrscheinlich".

Weber ist zwar ein exzellenter Zentralbanker, aber kein Experte im kommerziellen Bankgeschäft. "Er wäre der teuerste Lehrling der Deutschen Bank", sagt Konrad Becker, Finanzanalyst bei der Privatbank Merck Finck. Die Gerüchte um Webers Person werden in jedem Fall Tempo in die Nachfolgedebatte bei der Deutschen Bank bringen. "Wenn Weber geht, werden die Spekulationen so hochkochen, dass das die Diskussion bei der Deutschen Bank beschleunigt", sagt Becker. Experten halten es für wahrscheinlich, dass eine Entscheidung noch in diesem Jahr fallen könnte.

Wie heikel allein Gerüchte über einen möglichen Wechsel von Weber zur Deutschen Bank sind, zeigt das vertrauliche Telefonat, dass Weber mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Nachmittag geführt hat. Die Bundesbank ist zusammen mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) für die Bankenaufsicht zuständig. Würde jetzt bekannt, dass Weber sich mit der Deutschen Bank über einen Wechsel geeinigt hat, müsste er wohl mit mit sofortiger Wirkung zurücktreten. Anders ließe sich sein Interessenkonflikt nicht lösen.

Mit seinem Verzicht auf einen zweite Amtszeit an der Spitze der Bundesbank ist zumindest eins klar: Weber gibt im Rennen um die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet auf. "Die EZB-Kandidatur Webers hat sich erledigt", sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person. Lange Zeit galt Weber als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von Trichet. Die Amtszeit des Franzosen als EZB-Präsident endet am 31. Oktober 2010. Neben Weber wurde Italiens Zentralbankgouverneur Mario Draghi bislang gute Chancen eingeräumt. Zuletzt hatte es auch Meldungen gegeben, der finnische Notenbankchef Erkki Liikanen könne Nachfolger Trichets werden, sollten weder Weber noch Draghi international durchsetzbar sein.

Weber ist eine der lautesten und einflussreichsten Stimmen im EZB-Rat, der über die Geldpolitik für die Euro-Zone entscheidet. Er gilt als geldpolitischer Hardliner, der in der Hochzins-Tradition der Bundesbank steht. Weber ist bekannt als Freund klarer Worte, der auch den Konflikt nicht scheut. So fing er sich beispielsweise mit seiner harschen öffentlichen Kritik an dem auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise in Griechenland beschlossenen Ankaufprogramm für Staatsanleihen eine öffentliche Rüge von EZB-Chef Trichet ein. Auch bei der Politik im In- und Ausland eckt er oft wegen seiner undiplomatischen Art an.