Am Tag seines Abgangs ist Klaus Zimmermann abgetaucht. Selbst enge Mitarbeiter wissen nicht, wo er steckt. "Ungewöhnlich ist das nicht", sagt einer von ihnen. Auch vor seinem Rücktritt hätten viele im Institut oft nicht gewusst, ob Zimmermann in seinem Büro in der Berliner Mohrenstraße oder in der Welt unterwegs war, um einem seiner vielen Jobs nachzugehen.

Am Dienstagmorgen hatte das Institut in einer dürren Pressemitteilung das Ende einer Ära verkündet: Zimmermann, der seit 2000 an der Spitze des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) steht, werde zur Jahresmitte seinen Posten räumen. Der DIW-Mann sei auf eigenen Wunsch gegangen, heißt es offiziell. Doch niemand am Institut zweifelt daran, dass er zum Rücktritt gedrängt wurde. Seit Monaten schon stand Zimmermann in der Kritik – zu autokratisch führe er das Institut, zu sehr habe er sich in eine Finanzaffäre verstrickt, die dem Ruf des Instituts schwer schade. Nun haben offenbar die entscheidenden Leute die Geduld mit ihm verloren.

Tatsächlich ist der Rücktritt das Ergebnis eines Machtkampfes, der seit Monaten hinter den Kulissen tobt. Begonnen hat er, als im März 2010 ein neuer starker Mann am DIW das Ruder übernahm: Bert Rürup. Der frühere Wirtschaftsweise steht seither dem Aufsichtsrat des Instituts vor, dem Kuratorium. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Gremiums verordnete er dem Institut im Frühjahr eine neue Satzung und Geschäftsordnung, welche die Macht Zimmermanns deutlich beschnitten. Auch installierte das Gremium einen neuen Geschäftsführer, Hanns Seidler, ein Freund Rürups, der im Institut für Ordnung sorgen sollte. "Mit beiden Schritten hatten wir gehofft, die Lage im Institut zu beruhigen", sagt ein Kuratoriumsmitglied.

Anlass zum Handeln gab es damals bereits genug. Immer wieder klagten DIW-Mitarbeiter über den herrischen und autoritären Stil von Zimmermann. Er habe "mit Mobbing-Methoden" einigen Forschern "das eigenständige Denken" verboten, sagt ein Mitarbeiter heute. Niemand habe sich getraut, Kritik zu äußern, aus Angst seinen Job zu verlieren. Auch nach Zimmermanns Abgang will sich keiner der Forscher mit Namen zitieren lassen.

Für Aufregung sorgte zuletzt eine Studie zum Fachkräftemangel , die der Arbeitsmarktforscher Karl Brenke verfasst hatte. Eine erste Fassung verließ das Haus, ohne dass Zimmermann sie abgesegnet hatte. Der DIW-Chef zog sie daraufhin zurück, weil ihm Teile des Papiers nicht schmeckten und änderte sie gemeinsam mit Brenke um. Pikant daran: In der ersten Fassung der Studie wurde der Fachkräftemangel noch als "Fata Morgana" bezeichnet, in der zweiten Fassung wurde das Urteil deutlich abgemildert. Zimmermann selbst ist ein überzeugter Anhänger der These vom Fachkräftemangel.

Wer heute mit Mitarbeitern spricht, hört zudem immer wieder die Klage, Zimmermann habe zu sehr seine eigene Agenda verfolgt, anstatt sich um das Institut zu kümmern. "Der war fast nicht mehr hier", sagt ein Mitarbeiter. Weil der DIW-Chef oft reiste, um seine zahlreichen Jobs – unter anderem als Chef des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) – nachzukommen, seien viele Vorgänge liegen geblieben. Insgesamt habe die Verwaltung im Haus schlecht funktioniert. "Es wurden einfache Managementregeln nicht beachtet", sagt ein anderer.

Zugleich geriet das Institut wegen einer Finanzaffäre in die Schlagzeilen. Bereits im vergangenen Jahr urteilte der Berliner Rechnungshof, das DIW habe bei der Verwendung öffentlicher Mittel "regelmäßig gesetzliche Bestimmungen missachtet". Das Institut wird deshalb Teile der öffentlichen Fördermittel an den Berliner Senat zurückzahlen müssen – vermutlich einige Hunderttausend Euro. Auch Zimmermann selbst soll sich in den vergangenen Jahren zu hohe Bezüge ausgezahlt haben. Ferner rätselt man im Institut, was mit dem Geld geschah, das das Institut vom Verein der Freunde des DIW bezog. Es geht um eine Summe von rund 25.000 Euro.