Das gemeinsame Einschreiten der führenden sieben Industriestaaten hat den Höhenflug der japanischen Währung gestoppt. Die G-7-Finanzminister und Notenbankpräsidenten hatten in einer Telefonkonferenz beschlossen, gemeinsam gegen den starken Anstieg des Yen vorzugehen. Es ist das erste Mal seit mehr als zehn Jahren, dass die führenden Wirtschaftsnationen zusammen am Devisenmarkt handeln. Der Yen war zuvor trotz der verheerenden wirtschaftlichen Folgen von Erdbeben und Atomunglück gegenüber dem US-Dollar auf den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg gestiegen. Das setzt Japans Exportwirtschaft zusätzlich unter Druck, weil es deren Produkte in wichtigen Märkten verteuert.

Japan, die USA, Großbritannien, Kanada und die Europäische Zentralbank griffen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo zufolge mit koordinierten Verkäufen der japanischen Währung und Ankäufen des Dollar ein. Der Yen verlor daraufhin am Freitag deutlich, Dollar und Euro verteuerten sich zugleich im Verhältnis zum Yen. Zuletzt mussten für einen Dollar mehr als 81 Yen bezahlt werden. Am Vortag waren es zeitweise lediglich 76,25 Yen gewesen – so wenig wie noch nie in der Nachkriegsgeschichte.

In einer gemeinsamen Mitteilung der Finanzminister und Notenbankchefs ist von einem "aufeinander abgestimmten Eingreifen in die Devisenmärkte" die Rede. "Wir werden die Devisenmärkte genau beobachten und entsprechend zusammenarbeiten."

Davon profitierte der exportorientierte Tokyoter Aktienmarkt, der durch die Atom-Katastrophe gebeutelt worden war. "Das ist die erste konzertierte Intervention seit 2000, das wird eine nachhaltige Wirkung auf den Markt haben", sagte die Analystin Kathy Lien von GFT. Medienberichten zufolge intervenierte die japanische Notenbank in einem Volumen von mehr als 25 Milliarden Dollar.

Der japanische Finanzminister Yoshihiko Noda hatte Spekulanten für die starke Aufwertung des Yen verantwortlich gemacht. Devisenexperten führten die Aufwertung dagegen hauptsächlich darauf zurück, dass japanische Investoren dringend Geld brauchen, um nach der Natur- und Nuklearkatastrophe Schäden zu beheben. Vor allem Versicherer und andere große Investoren hätten Milliarden-Anlagensummen aus dem Ausland zurückgeholt und in Yen getauscht. Deshalb sei die Nachfrage nach dem Yen und damit sein Kurs so enorm gestiegen. Mitte 2007 mussten für einen Dollar noch mehr als 120 Yen gezahlt werden.

Diese Entwicklung macht japanische Produkte, die im Dollar-Raum verkauft werden, deutlich teurer. Selbst Unternehmen, die wie der Autohersteller Toyota in den USA produzieren, leiden unter dieser Entwicklung. Sie erhalten deutlich weniger Yen für in den USA verkaufte Autos.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index N225 schloss mit 2,7 Prozent im Plus bei 9206 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index TOPX gewann 2,4 Prozent auf 830 Zähler. Auch die übrigen Märkte in Asien verbuchten Gewinne. Die Börse in Hongkong HSI notierte 0,5 Prozent höher, der chinesische Leitindex in Shanghai SSEC lag ebenfalls 0,5 Prozent im Plus. Die Börse in Südkorea KS11 stieg um 1,1 Prozent.

Trotz der Gewinne beschäftigte die Atom-Katastrophe in Japan die Märkte. Solange die Lage am Unglücks-AKW Fukushima nicht im Griff sei und es noch kein vollständiges Bild der wirtschaftlichen Auswirkungen gebe, herrsche viel Unsicherheit am Markt, sagten Händler. Es werde lange dauern, bis sich die Börse von den Katastrophen erholt habe, sagte Tetsuro Ii von Commons Asset Management. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Indizes rasch auf das Vor-Krisen-Niveau zurückkehren." Zweifel am langfristigen Nutzen der Devisen-Interventionen kamen auf. "Das wirkt wie ein nervöser Kampf zwischen der Notenbank und Spekulanten", sagte Norihiro Fujito von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. 

Die japanische Notenbank hatte in den vergangenen Tagen Finanzspritzen in Milliardenhöhe gewährt. Sie reagierte damit auf den hohen Liquiditätsbedarf der Banken.