Nach der Abschaltung der deutschen Alt-Atomkraftwerke warnen Experten vor höheren Strompreisen und Gefahren für die Stabilität des Netzes. Eon-Chef Johannes Teyssen sagte dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel, es werde schon jetzt äußerst schwer, das Stromnetz stabil zu halten. Noch weitreichendere Maßnahmen wie der teils geforderte komplette Ausstieg aus der Atomkraft seien "überhaupt nicht zu verkraften".

Teyssen begründete seine drastische Warnung mit dem ungenügenden Ausbauzustand des Stromnetzes. Es fehle an Leitungen vom Norden, wo Windstrom produziert wird, in den Süden, wo durch die Abschaltung Kapazitäten wegfielen. "Dies kann zu massiven Problemen bis hin zu Stromausfällen führen." Darauf habe man auch das Bundeswirtschaftsministerium hingewiesen.

Nach Informationen des Spiegel soll sich Ressortchef Rainer Brüderle sogar deutlich vom Kurswechsel der Koalition distanziert haben. Am vergangenen Dienstag soll der Wirtschaftsminister die Reaktion der Deutschen als "hysterisch" und " typisch" bezeichnet haben. Keine andere Nation habe als Konsequenz der Reaktorkatastrophe in Fukushima so hektisch Beschlüsse gefasst wie Deutschland.

Auch der Parteichef geht auf Distanz zu Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesumweltminister Norbert Röttgen. "Ich wäre mit konkreten Schlussfolgerungen vorsichtig", sagte der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle in einem Interview mit dem Spiegel. Anders als etwa der Umweltminister immer wieder propagiert, ziehe das Atom-Moratorium aus Sicht der FDP nicht unbedingt kürzere Laufzeiten der Atomkraftwerke nach sich. Wenige Tage nach dem AKW-Unfall in Fukushima wolle er sich nicht anmaßen, was nun alles in Deutschland zu tun sei, fügte der Vizekanzler und Bundesaußenminister hinzu.

Röttgen dagegen dringt weiterhin auf einen möglichst raschen Ausstieg aus der Atomenergie. "Die Konsequenz aus den Ereignissen in Japan muss sein: Wir müssen alles daran setzen, schneller aus der Kernenergie herauszukommen", sagte der CDU-Politiker der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er sei überzeugt, dass ein schnellerer Ausstieg aus der Atomenergie möglich sei: "Keiner schlägt vor, dass wir mit einem Schlag aus der Kernenergie aussteigen. Wir können aber schneller aussteigen als bisher geplant."