Wegen der Katastrophe in Japan müssen Arbeitnehmer in einzelnen deutschen Branchen möglicherweise mit Kurzarbeit rechnen. Entsprechende Pläne gibt es nach Informationen der Süddeutschen Zeitung in Unternehmen, die auf japanische Zulieferer angewiesen sind. Demnach wächst vor allem in der Automobilindustrie die Nervosität darüber, dass die unterbrochene Lieferkette die Produktion stoppen könnte.

Wie eine Umfrage der SZ unter deutschen Automobilherstellern ergab, hat bislang noch kein Hersteller offiziell Kurzarbeit beantragt. Allerdings sagte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit (BA), sie rechne in den kommenden Wochen mit ersten Anträgen. Zu den besorgten Unternehmen gehöre beispielsweise ein deutscher Baggerhersteller, dessen Fahrzeuge mit japanischen Motoren betrieben werden.

"Uns liegen erste Anfragen aus dem Automobilbereich vor", wird sie in der SZ zitiert. Zudem spüre ihre Behörde schon jetzt einen "gestiegenen Beratungsbedarf" bei den Unternehmen. "Die wissen ja, dass in ihren Lagern früher oder später die Teile aus Japan fehlen." 

Dies war offenbar bei Opel bereits der Fall. Anfang der Woche mussten dort zwei Schichten ausfallen, weil Lieferungen aus Fernost nicht angekommen waren. Daimler und BMW, so schreibt es die Süddeutsche, würden die Bestände laufend prüfen. Genau so wie Volkswagen in Wolfsburg. Dort heißt es, "aktuell" gebe es noch "keine Auswirkungen" auf die Produktion. Eine Task Force würde die Lage aber laufend analysieren. 

Besonders beklagenswert sind die Ausfälle in der Chipindustrie, wo mehrere japanische Hersteller ihre Produktion heruntergefahren haben. Zwei von ihnen kontrollieren 70 Prozent des Weltmarkts. Dies betrifft vor allem die Hersteller von Handys, Smartphones und Computern wie Nokia und Apple. Von dem finnischen Unternehmen hieß es, man rechne mit "einigen Störungen".

Für die Unternehmen in Deutschland gibt es dabei den Ausweg namens Kurzarbeit. Laut SZ hat die Bundesagentur bereits juristisch klären lassen, ob die Auszahlung von Kurzarbeitergeld in einer solchen Situation möglich ist. Die Juristen der Behörde hätten dies bejaht – allerdings nur unter ganz bestimmten Bedingungen.

So müssten Unternehmen nachweisen, dass ihre Lieferengpässe nicht durch andere Lieferanten oder aus Lagerbeständen kompensiert werden könnten. Auhc sollten sie zunächst sämtliche firmeninterne Möglichkeiten ausgeschöpfen: Arbeitszeitkonten auf Null fahren, Überstunden abbauen und Resturlaube abfeiern lassen. Dann sollte noch geprüft sein, ob betroffene Mitarbeiter vorübergehend in einem anderen Betriebsteil beschäftigt werden könnten.

Bei der Kurzarbeit sind die Unternehmen auf die Hilfe des Bundes angewiesen. Wenn diese ihre Arbeiter aus betriebswirtschaftlichen Gründen nach Hause schicken, kommt die Arbeitsagentur für einen Teil desjenigen Verdienstausfalls auf, der durch solch verkürzte Arbeitszeiten verursacht wird. Die Bundesregierung hatte das Instrument in der jüngsten Wirtschaftskrise geschaffen und so nach Meinung vieler Experten eventuelle Massenentlassungen verhindert.