Die EU-Kommission drängt auf mehr Tempo beim Klimaschutz. Die Kommission hat in Straßburg einen "Fahrplan für eine kohlenstoffarme Wirtschaft" verabschiedet. Demnach soll für die EU bis 2020 eine Reduktion der CO2-Emissionen um 25 Prozent erreicht werden. Bisher war bis 2020 eine Reduktion um 20 Prozent vorgesehen.

Die selbst gesetzten Klimaziele erfordern von Deutschland und den anderen EU-Staaten riesige Beträge. Nach Berechnungen der EU-Kommission müssten bis 2050 jährlich 270 Milliarden Euro in den Abbau des schädlichen Treibhausgases gesteckt werden. Binnen 40 Jahren wären das 10,8 Billionen Euro. Sie seien nötig für Umstellungen in der Industrie, die Sanierung von Gebäuden oder klimaschonende Kraftfahrzeuge.

Damit stellte die Kommission erstmals eine Kalkulation zum Investitionsbedarf für die C02-Reduktionsziele vor. Da es noch immer kein international rechtlich bindendes Klimaschutzabkommen gibt, sind die EU-Ziele bisher nicht mehr als eine Absichtserklärung.

Den Ausgaben gegenüber stehen nach Einschätzung der Brüsseler Experten allerdings zahlreiche positive Effekte. Weniger Luftverschmutzung und bis zu 1,5 Millionen neue Jobs sind nur zwei Beispiele. Hinzu kommen sinkende Kosten für die Bewältigung von Umweltschäden und ein Einsparpotenzial beim Öl- und Gasverbrauch von jährlich 175 bis 320 Milliarden Euro. Der Höchstbetrag werde aber nur dann erreicht, wenn auch der Rest der Welt beim Energiesparen mitmache, räumt die Kommission in ihrem Strategiepapier ein.

In der Industrie formiert sich gegen den Klimaschutz-Plan bereits Widerstand. Sie ist gegen verbindliche Einsparziele.

Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) lehne die einseitige Erhöhung der Klimaziele in der EU klar und konsequent ab, sagte ein Sprecher des Verbands. Vorbehalte gegen die Klimaziele hat auch eine Mehrheit der EU-Staaten und der EU-Kommissare. Vor allem weil keine vergleichbaren Reduktionsziele in konkurrierenden Weltregionen bestehen.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger will den Regierungen nun zwei Jahre Zeit geben, bei der Umsetzung ihrer Versprechen ein gutes Stück voranzukommen. Sollte das Ergebnis Mitte 2013 erneut ernüchternd ausfallen, wird laut Oettinger "die zweite Raketenstufe gezündet" und ein rechtsverbindliches Ziel vorgeschlagen.

Auch in der Bundesregierung wird über den CO2-Abbau gestritten: Das Bundesumweltministerium präsentierte vor Kurzem eine Studie, nach der ein 30-Prozent-Rückgang bis 2020 das Wachstum fördern und bis zu sechs Millionen neue Jobs schaffen würde. Das Bundeswirtschaftsministerium hielt jetzt dagegen und rechnete vor, die Wirtschaftsleistung Deutschlands würde im Jahr 2020 um 0,8 Prozent sinken.