ZEIT ONLINE: Herr Möllring, im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes der Länder haben die Arbeitgeber noch kein Angebot vorgelegt. Warum?

Hartmut Möllring: Die Gewerkschaften verlangen 50 Euro mehr und zusätzlich eine weitere Gehaltserhöhung von drei Prozent. Jede einzelne dieser Forderungen ist schon für sich genommen überzogen. Bevor wir ein Angebot vorlegen, müssen die Gewerkschaften auf den Boden der Tatsachen zurückkommen – das mussten wir zunächst klar machen.

ZEIT ONLINE: Aber war es wirklich nötig, die zweite Verhandlungsrunde mit dieser unbeweglichen Position zu beenden, statt zu signalisieren, in welchem Bereich eine für die Länder akzeptable Erhöhung liegen könnte? Selbst den Arbeitgebern wohlgesonnene Beobachter sehen darin eine unnötige Provokation.

Möllring: Es ist einfach, von der Tribüne aus gute Ratschläge zu erteilen, wenn man nicht selbst spielen muss. Bei den Gewerkschaften scheint unsere Botschaft angekommen zu sein. Wenn sie uns Entgegenkommen signalisieren, werde ich anfangen, über Zahlen zu reden.

ZEIT ONLINE: Am 9. März gehen die Verhandlungen weiter. Werden Sie mit einem Angebot in die dritte Runde gehen?

Möllring:  Das hängt davon ab, was die kommenden Tage bringen. Es ist ja nicht verboten, zwischendurch miteinander zu reden.

ZEIT ONLINE: Und in welchem Bereich könnte ein akzeptables Angebot liegen?

Möllring:  Wir haben unsere Vorstellungen. Aber vor dem 9. März werde ich dazu nichts sagen.

ZEIT ONLINE: Deutschland ist gut durch die Krise gekommen, die Wirtschaft wächst. Im vergangenen Jahr wurden Gehaltserhöhungen für die Angestellten von Bund und Kommunen vereinbart. Ist es nicht nachvollziehbar, dass jetzt auch die Beschäftigten der Landesbehörden mehr Geld wollen? 

Möllring: Für Bund und Kommunen wurden moderate Erhöhungen vereinbart, die deutlich niedriger ausfallen als das, was die Gewerkschaften jetzt fordern. Zudem haben wir schon im Jahr 2009 die Gehälter deutlich erhöht...

ZEIT ONLINE: In Bund und Kommunen gab es eine Gehaltserhöhung in drei Stufen: zuerst um 1,2 Prozent, dann um weitere 0,6 Prozent und 0,5 Prozent. Hinzu kam aber eine relativ hohe Sonderzahlung von 240 Euro. Für die Angestellten der Länder vereinbarten Gewerkschaften und Arbeitgeber im Jahr 2009 Einmalzahlungen in Höhe von insgesamt 80 Euro. Die Gehälter stiegen dann um einen Sockelbetrag von 40 Euro und drei Prozent sowie später um weitere 1,2 Prozent.

Möllring: Wir haben während der Finanzkrise, als in der freien Wirtschaft vielfach Kurzarbeit   angesetzt wurde und die Beschäftigten Lohneinbußen hinnehmen mussten oder ihren Job verloren, die Gehälter zwei Mal erhöht: im Jahr 2009 und 2010. Und vom Aufschwung spüren die öffentlichen Kassen bislang nichts. Die Steuereinnahmen liegen deutlich unter dem Niveau von 2008. Erst im kommenden Jahr werden wir wieder so viele Steuern einnehmen wie 2008.

ZEIT ONLINE: Wie stehen Sie zur Forderung der Gewerkschaften, die angestellten Lehrer tariflich einzugruppieren?

Möllring:  Angestellte Lehrer werden schon jetzt bezahlt, als ob sie verbeamtet wären, gleiche Qualifikationen vorausgesetzt. Man könnte darüber diskutieren, das tariflich festzuschreiben. Aber die Gewerkschaften wollen den überwiegenden Teil der angestellten Lehrer auch hochstufen – in Wahrheit geht es also um eine Gehaltserhöhung. Ginge das durch, würde sich die gesamte Lohnsumme, also die aller Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder, um ein Prozent erhöhen. Das ist nicht finanzierbar.

ZEIT ONLINE: Wie ist die Haltung der Tarifgemeinschaft deutscher Länder zur geforderten Übernahmegarantie für die Auszubildenden?

Möllring: Die Länder haben in der jüngsten Zeit über ihren Bedarf ausgebildet. In einer Zeit, in der Lehrstellen fehlten, war uns das ein Anliegen, und auch die Gewerkschaften hatten daran ein starkes Interesse. Wenn wir eine Übernahmegarantie geben müssten, könnten wir das nicht mehr tun. Dennoch: Schon jetzt übernehmen wir rund 90 Prozent der Auszubildenden in ein Beschäftigungsverhältnis.