So ganz allmählich traut sich die Versicherer-Branche erste Schätzungen über die Schäden der Erdbebenkatastrophe in Japan zu. Laut der Großbank Credit Suisse dürfte der wirtschaftliche Schaden zwischen 170 und 180 Milliarden Dollar liegen.

Die Munich Re, der größte Rückversicherer der Welt, erwartet für sich aber keine besonders großen Lasten. Fest stehe, dass bei Erdbebendeckungen im japanischen Privatkundengeschäft nur ein sehr kleiner Teil des Risikos ins Ausland transferiert werde. Erwartet werde auch, dass die Auswirkungen der schweren Unfälle in den japanischen Atomkraftwerken die private Versicherungswirtschaft nicht signifikant betreffen würden.

Nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami in Japan werde Munich Re mit ihrer Erfahrung, Finanzkraft und auf der Basis ihrer über Jahrzehnte gewachsenen Vertrautheit mit den lokalen Bedingungen bei der Bewältigung dieser außerordentlichen Naturkatastrophe unterstützen, erklärte die Gesellschaft. Angesichts der Komplexität und Schwere der Naturkatastrophe werde es noch eine Weile dauern, bis die Summe der volkswirtschaftlichen Schäden, der versicherten Schäden und der von einzelnen Rückversicherern wie Munich Re zu erbringenden Leistungen zumindest näherungsweise feststehen würden. Vorstandschef Nikolaus von Bomhard erklärte, Munich Re unterhalte seit 1912 Geschäftsbeziehungen mit japanischen Versicherungsgesellschaften.

Die Ratingagentur Moody’s erwägt Herabstufungen der Versicherer. Moody's Japan K.K. erklärte, dass die Erst- und Rückversicherer in Japan und der Welt wegen des Bebens in Japan "schwere Verluste" verkraften müssten. Dies könne negative Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit beider Sektoren haben.

Genaue Zahlen nannte Moody’s nicht. Nach den Erfahrungen der Ratingagentur übernimmt ein Rückversicherungsprogramm der Regierung in großem Maße Schäden an Wohngebäuden, Schäden in der Wirtschaft aber nicht. Eine zusätzliche Unsicherheit seien Verluste aus Geschäftsunterbrechungen in der Wirtschaft. Zudem sei in den nächsten Wochen mit weiteren Beben zu rechnen, was weitere Verluste verursachen könnte.

Moody's glaubt, dass ein bedeutender Anteil der Verluste in die internationale Rückversicherungsbranche fließen wird, einschließlich der verschiedenen Syndikate des Londoner Versicherungsmarktes Lloyd's. Denn die Rückendeckung für japanische Erdbeben sei ein großer Markt. Moody's erwartet, dass die Branchengrößen Munich Re, Swiss Re, Scor, Hannover Re, Berkshire Hathaway, Partner Re und Everest Re die höchsten Verluste im Zusammenhang mit Japan haben werden.

Moody's weist zudem darauf hin, dass die Geschäfte unter Rückversicherern in den vergangenen Jahren zugenommen hätten. Dabei geht es um sogenannte Retrozessionen, in denen ein Rückversicherer Risiken eines anderen Rückversicherers übernimmt. Wegen der sinkenden Preise für Katastrophenabsicherungen hätten sich einige Rückversicherer in diesem Geschäft stärker engagiert. Diese Risiken würden oft gesammelt ins Buch genommen und kämen von privat geführten Rückversicherern und Hedge-Fonds.