Wann hört das Störfeuer aus Berlin endlich auf? Es ist Freitagnachmittag, übermorgen wird in Baden-Württemberg gewählt, und die Wahlkämpfer von Union und FDP in Stuttgart sind sauer über die Vorgänge in der Hauptstadt. Zuerst die Guttenberg-Affäre , dann Japan und Merkels Atomwende , nun die Affäre um den Wirtschaftsminister Brüderle : Immer waren es Themen von außerhalb, die die Debatten dieses Wahlkampfes bestimmt haben. Immer wirkten sie sich zu Ungunsten der Regierungskoalition aus.

So auch die Sache mit Schnappauf. Dem Rücktritt des BDI-Geschäftsführers wird dabei sogar weniger Bedeutung zugemessen als den Äußerungen des Wirtschaftsministers selbst, die nun noch einmal verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gelangen. "Wer kennt in der Bevölkerung schon Schnappauf?", heißt es bei der baden-württembergischen CDU.

Ärgerlicher sei, dass der Rücktritt noch einmal – 48 Stunden vor der Wahl – die öffentliche Aufmerksamkeit erneut auf Brüderles Einlassungen zur Atomwende lenke. Und damit jenen Verdacht stärke, den die Union seit zwei Wochen vehement zu bekämpfen versucht: Dass die Abkehr der schwarz-gelben Bundesregierung von der Kernkraft nicht glaubwürdig, weil in erster Linie wahltaktisch motiviert, sei.

Bereits am Donnerstag hatte die Süddeutsche Zeitung vom Protokoll einer Sitzung des Präsidiums Bundesverbandes der Deutschen Industrie berichtet. Dem Papier zufolge soll Brüderle während des Treffens darauf verwiesen haben, dass "angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik" laste. Gewisse Entscheidungen seien daher "nicht rational".

Brüderle dementierte, und auch Schnappauf ließ mitteilen, das Protokoll enthalte Fehler. Viele vermuteten zu diesem Zeitpunkt, dass der BDI-Hauptgeschäftsführer vor allem sich selbst schützen wollte. Er habe offenbar das Papier nicht genau genug gelesen, um die brisanten Stellen zu entdecken, und das Protokoll dann an einen relativ großen Verteiler verschickt, hieß es in Industriekreisen.

Als gleich mehrere Präsidiumsmitglieder die Worte des Ministers bestätigen, gerät Schnappauf weiter in Bedrängnis. Am Freitagmittag tritt er zurück. In der Pressemitteilung des BDI lässt er sich zitieren: "Ich übernehme die politische Verantwortung für die Folgen einer Indiskretion, an der ich persönlich nicht beteiligt war, um möglichen Schaden für das Verhältnis von Wirtschaft und Politik abzuwenden." Doch der Schaden für die schwarz-gelbe Koalition ist da schon maximal.

Der eigentliche Ärger der Wahlkämpfer der Union aber gilt vor allem dem Wirtschaftsminister selbst. Meist hinter vorgehaltener Hand schimpfen manche, dass er die Zunge nicht im Zaum halten könne. Andere sind ernsthaft erbost über Zynismus und Lobbyismus, der sich nun in Berlin offenbare. Dritte, wie der Biberacher Wahlkämpfer Burkhard Volkholz, haben sich einen gewissen Fatalismus angewöhnt: Ein "überregionales Thema" mehr oder weniger mache nun auch nichts mehr aus, sagt er.