Die Gewerkschaften dürfen Nichtmitglieder in Tarifverträgen nicht von bestimmten Zuschlägen ausschließen. Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt erklärte eine Klausel für unwirksam, mit der die Gewerkschaft ver.di ihre Mitglieder beim Hamburger Hafenlogistikkonzern HHLA in Tarifverträgen besser stellen wollte als die übrige Belegschaft. Eine sogenannte Erholungsbeihilfe von 260 Euro im Jahr sollte nur Gewerkschaftsmitgliedern gezahlt werden können. Die HHLA hatte den Haustarif zunächst unterzeichnet, dann aber dagegen geklagt. (Az. 4 AZR 366/09)

Ein Vertreter von ver.di sagte, mit der Entscheidung erschwere das Gericht den Gewerkschaften, sich im Wettbewerb um Mitglieder zu positionieren.

Die Arbeitnehmerorganisationen versuchen zunehmend, ihre Mitglieder in Tarifverträgen besser zu stellen als die übrige Belegschaft. Damit wollen sie den Mitgliederverlust stoppen.

2008 hatte ver.di eine Klausel in den HHLA-Tarifvertrag schreiben lassen. Durch sie sollte das Unternehmen gezwungen sein, ver.di-Mitglieder besser zu stellen: Sie sollten die gleiche Summe noch einmal obendrauf erhalten, sollte die Firma an Mitglieder anderer Gewerkschaften oder an Nicht-Gewerkschaftsmitglieder freiwillig die Erholungsbeihilfe zahlen. Damit sollte ein Abstand zu den anderen Beschäftigten gewahrt bleiben.

Das Bundesarbeitsgericht erklärte nur diese Klausel für unwirksam. Tarifliche Sonderleistungen für Gewerkschaftsmitglieder sind jedoch weiter möglich.