In Deutschland kommt es auch bei einem raschen Atomausstieg nicht zu einem Stromengpass. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe. Ein Ende der Atomkraftnutzung sei technisch und volkswirtschaftlich schon bis 2015 machbar, heißt es in dem Gutachten der Universität Flensburg unter Leitung des Energieexperten Olav Hohmeyer.

Auch die Strompreise würden bei einem solchen Szenario nicht stark steigen. Die Entwicklung an der Strombörse zeige, dass sich ein Preisanstieg nach der Abschaltung der ältesten Atomkraftwerke wegen der Reaktorkatastrophe von Fukushima nicht nachweisen lasse. Die Importe von Strom aus Tschechien habe sich in der gleichen Zeit "nicht signifikant durch die Abschaltung der deutschen Kernkraftwerke erhöht". Sie folgen der Studie zufolge "anderen Einflussfaktoren".

In der Untersuchung wird betont, dass es bei einem schnellen Atomausstieg etwa in Süddeutschland nicht zu Engpässen und Netzzusammenbrüchen kommen werde. Basis ist eine Analyse der regionalen Verteilung der schrittweise abzuschaltenden AKW, der zu erwartenden höchsten Stromnachfrage des Jahres und der Stromtransportmöglichkeiten zwischen benachbarten Netzregionen.

Auch nach der Abschaltung aller Atomkraftwerke könne Deutschland in "Zeiten hoher Wind- und Solarstromeinspeisung" als "Exporteur am europäischen Strommarkt auftreten. Eine vollständige regenerative Energieversorgung ist in Deutschland der Studie zufolge "bei forciertem Netzausbau und entsprechendem Ausbau von Speicherkapazitäten oder der Anbindung der bereits bestehenden sehr großen Speichermöglichkeiten in Norwegen bereits bis zum Jahr 2030 möglich". Die Einbindung in den europäischen Strommarkt sei eine "zusätzliche Sicherheit für die Stromversorgung in Deutschland".

Hohmeyer hatte als Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen auch an einer Untersuchung für die Bundesregierung mitgewirkt, wie eine hundertprozentige Versorgung mit Ökoenergie bis 2050 zu schaffen ist. Dem Gutachten zufolge müssten für eine sichere Stromversorgung nur genehmigte und schon im Bau befindliche Gas- und Kohlekraftwerke fertig gestellt werden.