Wenn wir AKWs abschalten, müssen wir Atomstrom importieren.
Kurzfristig hat die Abschaltung der sieben Atomkraftwerke dazu geführt, dass Deutschland Strom importieren muss. Es gehe im Schnitt um Einfuhren von 2500 Megawattstunden am Tag, sagt Matthias Kurth von der Bundesnetzagentur.

Diese Entwicklung wird jedoch mittelfristig durch neue Kraftwerkskapazitäten überkompensiert. "Rechnerisch müssen wir keine Kilowattstunde Atomstrom importieren, es wird keine Versorgungslücke geben", sagte BET-Geschäftsführer Ritzau. Allein bis 2015 werden mehrere neue Kohle- und Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von 12.000 Megawatt (MW) ans Netz gehen. Parallel wächst auch die installierte Ökostromleistung, nach Experteneinschätzung dürfte bis 2015 mindestens weitere 20.000 MW hinzukommen.

Ein üppiger Atomstromimport aus Frankreich ist auch aus technischen Gründen nicht möglich. "Es fehlt an den notwendigen Grenzkuppelstellen", sagt Uwe Leprich von der Saarbrücker Hochschule. Zudem drossele Frankreich im Sommer seine AKW-Leistung, weil es in den Flüssen an Kühlwasser fehle, erklärt der Experte. "Im Winter braucht Frankreich selbst seinen Atomstrom, weil dort viele Wohnungen mit Strom beheizt werden." 

Deutschland besitzt die sichersten Atomkraftwerke der Welt.
Ende März hat sich der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung , Frank Schirrmacher, mit den " neun Gemeinplätzen des Atomfreunds " auseinandergesetzt. Dazu zählt auch der immer wieder gehörte Satz: "Deutsche Atomkraftwerke sind die sichersten der Welt". Dieser Vergleich, analysiert Schirrmacher, "ist Augenwischerei: Er hat nichts mit dem zu tun, was nach dem Eintritt des schlimmsten Falles passieren kann, sondern nur damit, wie Menschen im besten Fall vorsorgen können."

Für diese Vorsorge haben die Genehmigungsbehörden Sicherheitsstandards, Risikoannahmen und Grenzwerte entwickelt. All das kann aber kein Atomunglück verhindern. "Die Sicherheitsstandards sind immer nur so gut wie die zugrunde liegenden Risikoannahmen", sagte Ewald Woste, Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, kurz nach dem Atomunfall in Fukushima.

Derzeit lässt Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) alle 17 deutschen Kernkraftwerke überprüfen – das ist nichts anderes als eine Neubewertung des Sicherheitsrisikos. Können die bestehenden Betonhüllen der Meiler dem Absturz von Flugzeugen standhalten? Das ist nur eine Frage, die die RSK-Fachleute beantworten müssen. "Neben der Technik darf bei Atomkraftwerken nicht der menschliche Faktor vergessen werden", sagt Energieexperte Nitsch, "Menschen machen Fehler, die nie auszuschließen sind. Deshalb ist das Abschalten die einzige Antwort."