Je größer, desto besser - jahrzehntelang waren sich nahezu alle Experten einig, dass dieser simple Grundsatz für Banken gilt. Starke, wettbewerbsfähige Geldhäuser galten als krisenfest - und als Quelle für gute und günstige Kredite. Wirtschaftspolitiker förderten daher Großfusionen von Geldinstituten, Finanzjournalisten bejubelten sie, Aufseher segneten sie ab.

Die Finanzkrise jedoch hat gezeigt: Von Großbanken gehen immense Risiken aus. Sie sind für die Gesamtwirtschaft so wichtig, dass die Politik die Pleite dieser Institute nicht zulassen darf. Volkswirte nennen dieses Phänomen too big to fail (TBTF).

Dieser unausgesprochene Rettungsschirm ist Milliarden wert. Die US-Regierung subventioniert jede Großbank im Jahr im Schnitt mit 4,7 Milliarden Dollar, zeigt eine US-Studie mit dem Titel Size Anomalies in U.S. Bank Stock Returns . Eine andere Arbeit mit dem Titel How Much Did Banks Pay to Become Too Big to Fail? belegt: Der staatliche Schutz ist so attraktiv, dass er eine zentrale Triebfeder für die vielen Fusionen und Übernahmen in der Branche war.

Die versteckten Staatshilfen für große Geldinstitute haben zudem eine perverse Konsequenz: Sie sorgen dafür, dass Banken waghalsigere Geschäfte machen. Dadurch steigt das Risiko von Finanzkrisen, zeigt eine Studie der Londoner Ökonomie-Denkfabrik NIESR mit dem Titel Is There a Link From Bank Size to Risk Taking? .

Die Manager der Geldinstitute agieren wie Mietwagenfahrer, die eine Vollkaskoversicherung völlig ohne Selbstbeteiligung haben - sie drücken ohne Rücksicht auf Verluste aufs Gaspedal.

Die Wissenschaftler um den obersten NIESR-Makroökonomen Ray Barrell haben für die Jahre 1996 bis 2007 die Performance von 713 Banken in 14 Industriestaaten analysiert. Dabei haben sie ein frappierendes Muster offengelegt: Größere Geldinstitute haben überproportional viele faule Kredite angehäuft und mussten deutlich mehr Zahlungsausfälle verkraften als kleinere Banken.