Wäre Griechenland ein Unternehmen, hätten die Banken wahrscheinlich längst die Reißleine gezogen. Der Schuldenberg des Landes ist riesig und wird noch größer. Die Wirtschaft steckt in der Rezession, höhere Einnahmen kann der Finanzminister nicht erwarten. Und ob er weitere Sparmaßnahmen und Privatisierungen gegen den Widerstand durchsetzen wird, ist fraglich. Am Sonntag demonstrierten erneut Zehntausende gegen die Sparpolitik.

Die Finanzmärkte jedenfalls glauben nicht daran. Die Rendite zweijähriger griechischer Staatsanleihen liegt inzwischen bei über 25 Prozent. Die Investoren versuchen, ihre Forderungen gegen den griechischen Staat loszuwerden – und wer jetzt noch kauft, verlangt immer höhere Risikoaufschläge. Spätestens im Frühjahr 2012, wenn die Hilfskredite nicht mehr ausreichen, könnte eine Umschuldung unvermeidlich werden. Noch aber weigern sich die Gläubiger, IWF und EU, das Wort auch nur in den Mund zu nehmen.

Im Juni werde man Griechenlands "Schuldentragfähigkeit" prüfen, sagt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Sollten sich dabei Zweifel ergeben, müsse man "etwas unternehmen." "Ökonomisch wäre eine Umschuldung jetzt geboten", sagt Nikolaus Heinen von DB Research. "Aus politischen Gründen wird sie wohl so lange wie möglich hinausgezögert." Der Chef des Euro-Rettungsfonds EFSF, Klaus Regling, wirft den Banken in dem Zusammenhang Profitgier vor. Sie heizten die Debatte über eine Umschuldung gezielt an, weil sie auf hohe Gewinne spekulierten, sagte Regling dem Handelsblatt . In den 80er- und 90er-Jahren hätten Banken für Restrukturierungen von Staatsschulden in Lateinamerika und Asien sehr hohe Honorare kassiert – "das würden sie in Europa gerne wiederholen".

Die radikalste Lösung wäre ein Schuldenschnitt, der sogenannte Haircut. Dabei verzichten die Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes. Der Vorteil: Griechenland könnte seine Staatsschulden auf einen Schlag deutlich reduzieren. Entsprechend würden die Kosten für den Schuldendienst fallen und der Staatshaushalt entlastet. Angesichts der Höhe des griechischen Schuldenberges, der dieses Jahr auf 340 Milliarden Euro anwachsen wird, was rund 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht, würde nur ein Schnitt von mindestens 30 Prozent Erleichterung bringen.