Die EU bereitet sich auf eine zusätzliche Unterstützung des Eurolandes Griechenland vor. Nach Medienberichten soll es ein weiteres Hilfspaket im Umfang von bis zu 60 Milliarden Euro erhalten, um den Staatsbankrott abzuwenden. Im Gegenzug muss das hochverschuldete Land noch härtere Auflagen als bisher erfüllen, wie griechische Medien und das Handelsblatt übereinstimmend berichten. EU-Währungskommissar Olli Rehn bestätigte erstmals offiziell, dass Entscheidungen dazu vorbereitet werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, über mögliche Erleichterungen für Griechenland werde erst nach Vorlage der aktuellen Bewertung der Sparbemühungen entschieden. Erst dann könne geklärt werden, was und ob überhaupt etwas unternommen werden müsse. "Davon wird mich auch gar nichts abbringen", sagte Merkel. Die entsprechende Prüfung durch EU, Internationalen Währungsfonds (IWF) und Europäische Zentralbank (EZB) laufe noch bis Ende dieser Woche. Bisher hätten die Prüfer keine Beanstandungen gehabt. "Jede Hilfe für Griechenland ist Hilfe zur Selbsthilfe. Subventionen oder gar Steuergeschenke wird es nicht geben", hieß es in einer Mitteilung der Bundesregierung.

Die genaue Höhe der neuen, voraussichtlich bis 2013 gewährten Kredithilfen ist noch unklar. Derzeit sei eine Finanzierungslücke von 25 bis 30 Milliarden allein fürs nächste Jahr absehbar, schreibt das Handelsblatt.

Rehn sagte in Straßburg: "Es ist zu früh, eine Zahl zum Bedarf für 2012 zu nennen." Die Finanzminister der Euro-Zone wollen kommenden Montag über die zusätzlichen Maßnahmen beraten. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn soll ebenfalls an dem Treffen teilnehmen, auf dem auch das 78-Milliarden-Euro-Hilfspaket für Portugal abgesegnet werden soll. Dafür ist Einstimmigkeit erforderlich, als möglicher Wackelkandidat gilt Finnland.

Vor einem Jahr hatte Griechenland bereits ein Hilfspaket im Umfang von 110 Milliarden Euro erhalten. Eine Rückkehr zur eigenständigen Finanzierung an den Kapitalmärkten scheint derzeit unmöglich. Auch verläuft die Verringerung des Haushaltdefizits schleppend.

Investoren gewährten Griechenland am Dienstag eine Atempause: Athen konnte sich zu einem relativ guten Zinssatz Geld leihen. Allerdings handelt es sich nur um Kredite mit einer sechsmonatigen Laufzeit. Bei der Auktion von Geldmarktpapieren sammelte Athen statt der geplanten 1,25 Milliarden Euro insgesamt 1,625 Milliarden Euro ein, wie das staatliche Fernsehen unter Berufung auf das Finanzministerium berichtete. Die Zinsen lagen mit 4,88 Prozent "in zufriedenstellender Höhe", hieß es. Gut ein Drittel der gesamten Emission ging an ausländische Anleger, sagte der Chef der Schuldenagentur, Petros Christodoulou.

Athen führt jeden Monat Auktionen dieser Art mit abwechselnd drei- und sechsmonatigen Laufzeiten durch, um zu testen, wie der Markt reagiert. Der Auktion waren Spekulationen vorausgegangen, Griechenland drohe in den kommenden Monaten der Staatsbankrott. Vom Kapitalmarkt, auf dem Anleihen mit einer längeren Laufzeit von mehr als einem Jahr gehandelt werden, ist Griechenland abgeschnitten. Am Markt werden für zweijährige Anleihen derzeit Zinsen von etwa 25 Prozent verlangt, das ist deutlich mehr, als die Regierung in Athen bezahlen kann.

Der Euro-Kurs legte wegen der Spekulationen am Dienstag eine Berg- und Talfahrt hin. Die Gemeinschaftswährung wurde nachmittags wieder mit 1,4360 Dollar gehandelt, zuvor war der Euro zeitweise bis auf 1,4267 Dollar gefallen.