Um es gleich vorweg zu sagen: Privatisierungen sind nicht per se schlecht. Zugegeben, oft nützt es nur den Konzernen und korrupten Beamten, wenn ein Staat sein Vermögen verscherbelt. Beispiele dafür gibt es zuhauf . Aber wenn der Staat die richtigen Rahmenbedingungen setzt, indem er die Macht der Unternehmen beschneidet und Wettbewerb ermöglicht, dann kann Privatisierung von Vorteil sein.

Rund 50 Milliarden Euro will die Athener Regierung in den kommenden Jahren mit dem Verkauf von staatlichen Beteiligungen erlösen. Und das könnte erst der Anfang sein, denn der griechische Staat ist keinesfalls arm. Der Gesamtwert seines Vermögens wird auf 300 Milliarden Euro geschätzt, fast so hoch wie der Wert seiner Schulden. Nun ist nicht alles zum Verkauf geeignet. Aber es gibt keinen Grund, warum der Staat zum Beispiel am Glücksspielbüro OPAP, an Immobilien oder an der Energieversorgung beteiligt sein müsste.

Das Land braucht das Geld dringend, und ihm bleibt keine Wahl: EU und IWF haben gedroht, anstehende Hilfszahlungen nicht zu überweisen, falls die Regierung in Athen nicht härter reformiert – und das zu Recht. Denn wichtiger noch als die kurzfristigen Einnahmen, die Griechenland durch die Privatisierung erzielt, ist die langfristige Wirkung: Griechenland muss sich modernisieren, wenn es aus der Krise herausfinden will. Das Land braucht mehr Wettbewerb und einen schlankeren Staat, die alten, verkrusteten Strukturen, die zu der aktuellen Misere beigetragen haben, müssen aufgebrochen werden. Nur so kann das Land aus der Rezession herausfinden.

Ohne eine Umschuldung wird es dennoch nicht gehen. Denn so nötig der Verkauf von Staatsvermögen ist, er wird seine Zeit brauchen. Die aber hat das Land nicht mehr. Seit einem Jahr müht sich Europa, Griechenland zu helfen. Doch die Zinsen, die an den Märkten für griechische Anleihen gezahlt werden, sind höher als je zuvor. Die Anleger verhalten sich, als ob es das Rettungspaket der EU gar nicht gäbe. Sie glauben nicht mehr an eine erfolgreiche Sanierung – mögen die Politiker in Berlin und Brüssel noch so viel Zuversicht verbreiten.

Soll Griechenland nicht vollends pleitegehen, werden die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen. Möglicherweise wird hinter den Kulissen darüber schon verhandelt. Es wäre gut, denn jetzt kommt es darauf an, möglichst schnell eine einvernehmliche Lösung zu finden. Verweigerte Griechenland einseitig die Rückzahlung seiner Schulden, wäre es auf Jahre von Krediten abgeschnitten.

Auch eine gemeinsam beschlossene Umschuldung ist nicht ohne Risiko . Doch durch die Ankündigung weiterer Reformen hat Griechenland seine Ausgangsposition zumindest ein wenig verbessert. Je mehr das Land jetzt seinen Willen zur Veränderung demonstriert, und je schneller über einen Schuldenerlass verhandelt wird, desto besser sind seine Karten.