Im Bundesfinanzministerium hat die Suche nach dem Mitarbeiter begonnen, der in der vergangenen Woche einen internen Sprechzettel von Finanzminister Wolfgang Schäuble an die Presse weiter gereicht hat. Wie ein Sprecher des Ministers ZEIT ONLINE sagte, werde man nun einzelne Mitarbeiter befragen, um die Quelle zu enttarnen.

Spiegel Online hatte am vergangenen Freitag aus der "internen Vorlage" eine Passage zitiert , aus der hervorgehen soll, dass Griechenland die Euro-Zone verlassen wolle. Schäuble wiederum wolle die Griechen unbedingt von diesem Schritt abhalten, berichtete das Nachrichtenportal. Die Meldung wurde umgehend von mehreren Seiten dementiert . Dennoch sorgte sie weltweit für Aufsehen und schickte den Euro-Kurs zwischenzeitlich auf Talfahrt.

Bei dem Papier handelte es sich um eine Unterrichtung der Beamten für ihren Minister. Sie sollte Schäuble für ein Geheimtreffen mit anderen europäischen Finanzministern der Euro-Zone im Luxemburger Schloss Senningen vorbereiten. Auf der Tagesordnung des Treffens stand unter anderem das weitere Vorgehen im Fall Griechenland.

Das Papier habe auf einem Server des Ministeriums gelegen, auf den insgesamt 28 Mitarbeiter Zugriff hatten, hieß es aus Ministeriumskreisen. Noch sei allerdings unklar, wie viele Personen das Dokument kannten. Auch habe man noch keinerlei Anhaltspunkte, wer schließlich das Papier verschickt habe.

Dass die Informationen aus dem engsten Mitarbeiterkreis an die Presse gelangten, ist ein Misstrauensbeweis gegen den Minister. Schäuble gilt als Verfechter eines stärker zusammenwachsenden Europas. In seiner Fraktion und in Teilen der Regierung sind hingegen einige der Meinung, der Minister vernachlässige in der europäischen Schuldenkrise zu sehr die deutschen Interessen .

Im Ausland war wiederum am Wochenende der Eindruck entstanden, Schäuble habe sein Haus nicht im Griff. Zugleich löste die Indiskretion eine neue Debatte über den weiteren Kurs in der Euro-Rettung aus. Umso mehr scheint man nun im Bundesfinanzministerium darum bemüht zu sein, die undichte Stelle zu finden.

In Abgeordnetenkreisen hieß es am Mittwoch, das Ministerium plane sogar, die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Der Sprecher von Schäuble dementierte dies jedoch. Man werde auch keine eidesstattliche Erklärung von den Mitarbeitern verlangen, hieß es.