Bis tief in die Nacht haben die Euro-Finanzminister beraten, nun zeichnen sich die Konturen eines neuen Rettungsplans für Griechenland ab: Auf freiwilliger Basis sollen private Gläubiger wie Banken und Versicherungen einen Teil der Lasten tragen. Damit konnte Deutschland seine weitreichenden Forderungen bei dem Treffen in Luxemburg nicht vollständig durchsetzen. Das Paket soll nicht-offiziellen Angaben zufolge einen Umfang von bis zu 120 Milliarden Euro haben.

Der Vorsitzende der Ministerrunde, Luxemburgs Jean-Claude Juncker, sagte am frühen Morgen, vor endgültigen Entscheidungen müsse das griechische Parlament Ende des Monats seine Gesetze zu weiteren Sparmaßnahmen verabschieden. "Es muss klar sein, dass Griechenland eine Lage herbeiführen muss, wo alle Verpflichtungen übernommen werden", ergänzte er.

Junckers Angaben zufolge haben die Minister noch nicht über die Auszahlung einer von Athen dringend benötigten Kredittranche aus dem alten Hilfsprogramm entschieden. Diese für Juli geplante Auszahlung macht inklusive eines Anteils des Internationalen Währungsfonds zwölf Milliarden Euro aus. "Wir kommen darauf Anfang Juli zurück", sagte Juncker. 

Die griechische Regierung hat bereits zusätzliche Einsparungen und ein Privatisierungsprogramm von 50 Milliarden Euro beschlossen, dieses aber noch nicht durch das Parlament bringen können. Ministerpräsident Giorgos Papandreou bildete unter dem Druck der Massenproteste im Land die Regierung um und will das neue Kabinett in dieser Woche einem Vertrauensvotum im Parlament unterziehen. Griechenland hatte zuletzt die 2010 vereinbarten Ziele der Haushaltssanierung nicht mehr erfüllt. Diese sind Bedingung für die Milliardenkredite, mit denen die Euro-Staaten das Partnerland vor der Insolvenz retten wollen.

Die Beteiligung von privaten Gläubigern an einem neuen Rettungspaket ist in der Eurozone sehr umstritten. Deutschland war mit Vorstellungen auf den Widerstand der Europäischen Zentralbank gestoßen, Banken und Versicherungen zwingend an den Hilfen zu beteiligen. Jetzt bewegt sich die Eurozone auf eine Kompromisslösung zu.

Im weiteren Tagesverlauf werden die Ressortchefs aller 27 EU-Staaten über den ständigen Rettungsfonds ESM für kriselnde Eurostaaten beraten, der 2013 eingerichtet werden und eine Kapitalbasis von 700 Milliarden Euro haben soll. Ein weiteres Thema sind Gesetze zur Verschärfung der Wirtschaftsaufsicht und des Euro-Stabilitätspaktes. Das Paket wird derzeit mit dem Europaparlament verhandelt.