Die Vertagung der Freigabe weiterer Hilfszahlungen für Griechenland sorgt für Verunsicherung am deutschen Aktienmarkt. So lange es nicht zu einer Auszahlung der nächsten Tranche des Rettungspakets komme, werde sich an der Berg- und Talfahrt nichts ändern, hieß es an der Börse in Frankfurt. In der vergangenen Woche hatte der Dax nach einer Durststrecke von sechs Verlustwochen in Folge wieder ein Plus von 1,33 Prozent eingefahren.

Zu den größten Verlierern zählten Commerzbank- und Deutsche-Bank-Aktien, die sich um jeweils rund 1,5 Prozent verbilligten. Beide Institute halten Griechenland-Staatsanleihen.

Die Finanzminister der Euro-Zone beraten in Luxemburg weiter über die Details des neuen 120 Milliarden Euro schweren Hilfspakets. Bis weit in die Nacht hatten die Ressortchefs diskutiert, ob private Gläubiger an den Hilfen beteiligt werden können. Nach der grundsätzlichen Einigung darauf, dass Banken und Versicherungen sich freiwillig an den Kosten beteiligen sollen, geht es nun um das Wie.

"Das ist ein schmaler Grad", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. "Auf der einen Seite muss es freiwillig sein, weil es sonst die entsprechenden Folgen hat, und auf der anderen Seite muss es auch zu einem Ergebnis führen." Im Kreis der Euro-Partner konnte Deutschland sich mit weiter reichenden Forderungen nicht durchsetzen.

Aktienmärkte mögen keine Unsicherheit

Börsenhändler David Buik von BGC Partners äußerte sich skeptisch. Der Euro habe praktisch alle Gewinne wieder eingebüßt, die er noch am Freitag nach der Einigung zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Sarkozy in der Griechenland-Frage eingefahren hatte. "Ich hoffe, dass die EU, der Internationale Währungsfonds und die Europäische Zentralbank eines verstehen: Die Aktienmärkte mögen keine Unsicherheit."

Die Minister sind sich einig, dass es ohne neue Sparbeschlüsse des Parlaments in Athen kein neues Geld für Griechenland geben wird. Endgültige Entscheidungen soll es daher frühestens Anfang Juli geben. Der Beschluss des Parlaments über zusätzliche Sparmaßnahmen ist nach Schäubles Worten "der entscheidende Punkt". Die griechische Regierung hat sich bereits auf zusätzliche Einsparungen und ein Privatisierungsprogramm von 50 Milliarden Euro festgelegt, dieses aber noch nicht durch das Parlament bringen können.

Ministerpräsident Giorgos Papandreou hatte in der vergangenen Woche unter dem Druck der Massenproteste im Land die Regierung umgebildet. Am Dienstag will er sich einem Vertrauensvotum im Parlament unterziehen. Griechenland hatte zuletzt die 2010 vereinbarten Ziele der Haushaltssanierung nicht mehr erfüllt. Diese sind Bedingung für die Milliardenkredite, mit denen die Euro-Staaten das Partnerland vor der Insolvenz retten wollen.