Die Deutsche Bahn will das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 nach einer zweimonatigen Unterbrechung weiterbauen. "Damit ist klar, dass wir in der kommenden Woche anfangen", sagte Bahnvorstand Volker Kefer nach einer Sitzung des Lenkungsausschusses von Bahn und grün-roter Landesregierung von Baden-Württemberg.

Das Land habe keinen Baustopp beantragt und sei nicht auf einen Kompromissvorschlag eingegangen, bis zur Vorlage des Belastungstestes zu warten. Die Bahn lege Wert darauf, keine unumkehrbaren Fakten schaffen zu wollen. Das Projekt werde langsam wieder hochgefahren.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann äußerte Unverständnis. "Es ist einfach nicht nachvollziehbar, dass die Bahn den Druck so erhöht hat", sagte der Grünen-Politiker. Das Unternehmen habe pro Monat Verzögerung 56 Millionen Euro verlangt. Dazu kämen 30 Millionen Verzugszinsen an die Stadt Stuttgart. Eine Aussetzung der Bauarbeiten bis zur geplanten Volksabstimmung im Oktober würde über 400 Millionen Euro kosten. Frühere Berechnungen seien von 150 Millionen Euro ausgegangen.

An der Sitzung nahmen Bahnchef Rüdiger Grube, Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) und weitere Vertreter der Projektträger teil. Sie berieten über einen möglichen längeren Bau- und Vergabestopp des umstrittenen Bahnhofsneubaus.

Der Stuttgarter Hauptbahnhof soll für derzeit 4,1 Milliarden Euro bis Ende 2019 von einem 16-gleisigen Kopfbahnhof in einen achtgleisigen Durchgangsbahnhof mit kilometerlangen Tunnelstrecken umgebaut werden. Seit mehr als einem Jahr gibt es in Stuttgart heftige Proteste gegen dieses Projekt.