Die wirtschaftliche Lage in den USA hat sich wider Erwarten im Mai nicht verbessert. Mit 9,1 Prozent ist die Erwerbslosenquote auf dem höchsten Stand in diesem Jahr. Sie stieg um 0,1 Prozentpunkte zum Vormonat. Damit sind aktuell etwa 13,7 Millionen US-Amerikaner arbeitslos. Am höchsten lag die Arbeitslosenquote bei Teenagern (24,2 Prozent).

Die hohen Energiepreise und die Nachwehen des verheerenden Erdbebens in Japan bremsen die weltgrößte Volkswirtschaft und wecken zunehmend Zweifel an der Stärke des Aufschwungs, der zu Beginn des Jahres begonnen hat. Allerdings haben sich zuletzt mehr US-Bürger aktiv um einen Job bemüht und sind so wieder in der Statistik aufgetaucht.

Der oberste Volkswirt des US-Präsidialamtes, Austan Goolsbee, sagt zwar, dass es mit der US-Konjunktur trotz der schwachen Daten weiter aufwärts geht: "Es gibt immer Schlaglöcher auf dem Weg zur Erholung, aber grundsätzlich hat die US-Wirtschaft an Fahrt gewonnen." Viele Experten sind jedoch nicht so zuversichtlich: "Das signalisiert einen deutlichen Rückgang der Dynamik", sagt ein Analyst der Wirtschaftsagentur Bloomberg. Er hoffe, dass es sich nur um eine "vorübergehende Delle" handle.

Insgesamt wurden nach Angaben des amerikanischen Arbeitsministeriums lediglich 54.000 neue Jobs geschaffen. Das ist der geringste Zuwachs seit vergangenen September.

Vor allem die privaten Arbeitgeber stockten ihre Belegschaften nur um insgesamt 83.000 Mitarbeiter auf. Zugleich trennten sich die klammen öffentlichen Arbeitgeber von Mitarbeitern. "Diese Zahlen sind ein Schock", sagte Mohamed El-Erian, Chef des weltweit größten Anleihe-Investors Pimco. "Sie bestätigen, dass die USA eine Arbeitslosigkeitskrise hat, die besorgniserregende wirtschaftliche, politische und soziale Dimensionen annimmt."

Die schleppende Erholung der Wirtschaft ist eine weitere Sorge für die US-Regierung. Präsident Barack Obama hat den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit seit Amtsantritt zur wichtigsten Aufgabe erklärt. Nun ringt seine Regierung mit den oppositionellen Republikanern um einen Ausweg aus der Haushaltskrise. Die Ratingagentur Moody's hatte zuvor gedroht, die US-Bonität zu prüfen oder gar herabzustufen, sollte es bis Mitte Juli keine Fortschritte in den Haushaltsgesprächen geben.

Grund für die Krise ist die geltende Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar (9,94 Billionen Euro) in den USA: Diese Marke wurde bereits Mitte Mai erreicht, seither darf sich die US-Regierung kein Geld mehr leihen. Das Finanzministerium kann nach eigenen Angaben mit Hilfe von Sondermaßnahmen nur noch bis zum 2. August Mittel auftreiben, um Rechnungen zu bezahlen. Sollte es keine Einigung zur Erhöhung der Schuldengrenze geben, droht der Regierung in Washington damit in zwei Monaten die Zahlungsunfähigkeit.