Im Streit um weitere Finanzhilfe für Griechenland hat ein Vorschlag Deutschlands während eines Treffens der Euro-Finanzminister für Diskussionen gesorgt, eine Einigung aber letztlich verhindert. Auf der Tagung in Brüssel kam kein konkretes Ergebnis zustande. Die Ressortchefs wollen sich nun am Sonntag wieder treffen, um eine Lösung zu finden. Die Richtung könnten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy vorgeben, wenn sie am Freitag miteinander reden. Im Gespräch sind derzeit 120 Milliarden Euro, mit 110 Milliarden Euro hatten die Staaten und der Internationale Währungsfonds schon im vergangenen Jahr geholfen. Das Problem: Die damit verbundenen Sparauflagen hat Griechenland nur unzureichend umgesetzt. Jetzt drängt die Zeit: Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Kreditwürdigkeit Griechenlands diese Woche noch einmal stark herab und bewertet das Land nun mit CCC – das weltweit schlechteste Rating von S & P.

Bundesfinanzminister Schäuble will, dass sich private Kreditgeber am Schuldenabbau für Griechenland beteiligen. Sie sollen die Laufzeit von Darlehen verlängern, was einer sogenannten weichen Umschuldung entspricht. Das geht der Europäischen Zentralbank, der EU-Kommission und manchen Euro-Ländern zu weit. Umstritten ist vor allem, wie freiwillig ein Festhalten der privaten Anleger – also Banken, Versicherungen und Pensionsfonds – an ihrem Engagement sein soll. Unter Beteiligten ist die Rede von einem Beitrag von 30 Milliarden Euro. Schäubles belgischer Kollege Reynders sprach davon, dass Griechenland 80 Milliarden Euro erhalten könne, wenn die privaten Gläubiger rund 25 Milliarden Euro dazugäben. Der niederländische Finanzminister de Jager forderte, dass mehr als 30 Prozent der erforderlichen Summe vom Privatsektor übernommen werden müsse.

Bei einer erzwungenen Lösung seien "die Risiken wesentlich größer als die Chancen", warnte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung. Auch der künftige Präsident der Europäischen Zentralbank, Italiens Notenbankgouverneur Mario Draghi, sagte, alle Konzepte, die nicht auf eine freiwillige Mitwirkung setzten, müssten wegen ihrer gefährlichen Nebenwirkungen vom Tisch. Der Hintergrund: Eine nicht freiwillige Beteiligung könnte der internationale Finanzsektor als Staatspleite werten. Dann würden Kreditausfallversicherungen fällig, und Experten befürchten neue Verwerfungen am Finanzmarkt.

EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte, die Kommission sei bereit, ein Modell zu prüfen, das auf einer freiwilligen Verlängerung der Laufzeiten griechischer Staatsanleihen beruhe. Es dürfe aber unter keinen Umständen zu einem Kreditausfall führen. Dieser Plan lehnt sich an das sogenannte Wiener Modell an, bei dem westeuropäische Banken 2009 freiwillig vereinbart hatten, trotz Finanzkrise ihr Engagement in Osteuropa aufrecht zu erhalten. Luxemburgs Finanzminister Luc Frieden warnte, die Einbeziehung der privaten Investoren dürfe keine negativen Auswirkungen auf andere Staaten und den gesamten Währungsraum haben.

Schäuble geht diese freiwillige Selbstverpflichtung nicht weit genug. Die Investoren sollen dazu gebracht werden, griechische Staatsanleihen noch vor ihrer Fälligkeit gegen neue mit sieben Jahren Laufzeit zu tauschen. Finnland und die Niederlande unterstützen Deutschland darin. In allen drei Ländern ist es zunehmend schwierig, die Parlamente mehrheitlich hinter ein neues Kreditpaket für Griechenland zu bringen.

Die EU-Staats- und Regierungschefs treffen sich am 23. und 24. Juni. Dann könnten sie ein neues Hilfspaket für Griechenland verabschieden.

Die griechische Regierung hat dem Land einen harten Sparkurs vorgegeben, der als Voraussetzung für Finanzhilfe der Währungsgemeinschaft ist. Zudem muss er Staatseigentum privatisieren. Die Pläne von Ministerpräsident Giorgos Papandreou sehen zusätzliche Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen vor, um den Haushalt von weiteren 6,5 Milliarden Euro zu entlasten. Mit einem Generalstreik und einer Belagerung des Parlamentsgebäudes wollen Gewerkschaften und Bürgervereinigungen am Mittwoch dagegen protestieren.