Frage:Griechenland verpflichtet sich, noch mehr zu sparen. Kommt das Land so aus der Krise?

Stephen King: Die Griechen können noch so viel sparen, mit Sparprogrammen allein kommen sie nicht aus der Krise heraus. Die Investoren glauben nicht an den Erfolg der Sparmaßnahmen, sie fürchten im Gegenteil, dass diese das künftige Wachstum belasten werden. Die Anleiherenditen steigen deshalb weiter.

Frage: Wie sollen Staaten wie Griechenland oder Portugal ihre Schulden jemals zurückzahlen?

King: In den nächsten zwei, drei Jahren werden Griechenland und Portugal nicht an den Kapitalmarkt zurückkehren können. Durch neue Hilfspakete wird eine Lösung nur hinausgezögert, die fundamentalen Probleme bestehen weiter. Klar ist, dass irgendeine Art von Umschuldung notwendig sein wird, an der die Privatinvestoren beteiligt werden. 

Frage: Die Investoren werden sich also auf Verluste einstellen müssen.

King: Es geht nicht so sehr darum, was mit einzelnen Anleihegläubigern passiert. Es geht um die Stabilität des Finanzsystems insgesamt. Die Frage ist: Wird eine Umschuldung ähnliche Folgen haben wie damals die Lehman-Pleite? Es gibt viele, die glauben, dass es zu einem Kollaps des Finanzsystems kommen wird.

Frage: Was denken Sie?

King: Ich denke nicht, dass es so weit kommen muss. Allerdings müssten Vorkehrungen getroffen werden, wie eine Umschuldung in geordneten Bahnen ablaufen kann. Und in jedem Fall müsste die Europäische Zentralbank mit an Bord sein.

Frage: Wie hoch wären die Kosten?

King: Das lässt sich noch nicht abschätzen. Entscheidender ist für mich die Frage: Wie hoch wären die Kosten, wenn es keine Umschuldung gibt? Dann müssten die Steuerzahler in Deutschland oder Frankreich für die Rettung Griechenlands bezahlen – was den Deutschen und Franzosen kaum zu vermitteln wäre. Das würde die Euro-Zone nicht überleben.

Frage: In Deutschland gibt es nicht wenige Leute, die sich die D-Mark zurückwünschen. Was halten Sie davon?

King: Die D-Mark würde dramatisch aufwerten, was für die deutsche Exportwirtschaft schwer zu verkraften wäre. Sie würde an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Statt über die D-Mark sollte sich Deutschland lieber Gedanken machen über das Verhältnis zu seinen Nachbarländern.