Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat die Bewertung für langfristige griechische Staatsanleihen um drei Stufen auf CCC gesenkt. Griechenland ist damit das Land mit dem weltweit schlechtesten Kreditrating der Agentur. Es sei wahrscheinlich, dass das Land seine Schulden in einer Art umstrukturiere, die von der Agentur als Zahlungsausfall eingestuft werde, hieß es zur Begründung. Auch eine "sanfte Umschuldung", bei der alte Anleihen gegen neue mit längerer Laufzeit getauscht werden, würde von S&P als Zahlungsausfall gewertet werden.

Diese neue Einstufung dürfte auch Thema auf dem Sondertreffen der Euro-Finanzminister am heutigen Dienstag sein. Die Minister beraten dort über weitere Milliardenhilfen für Griechenland. Nach Ansicht von EU-Währungskommissar Olli Rehn werden sie wohl auch eine Beteiligung privater Gläubiger vereinbaren. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte dies als Bedingung für weitere Zusagen an Athen gefordert. Die Bundesregierung will, dass private Investoren einen Anteil von etwa 30 Milliarden Euro an einem weiteren Hilfspaket tragen. Das neue Paket soll insgesamt 90 bis 120 Milliarden Euro umfassen.

Die deutsche Forderung, wonach auch Banken, Versicherungen und Pensionsfonds einen Teil des zweiten Rettungspakets tragen sollten, werde zwar nicht von allen EU-Staaten geteilt, sagte Rehn in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. "Wir sind aber nicht so weit von einer gemeinsamen Lösung entfernt, wie manche glauben." Die EU-Kommission bereite eine Vereinbarung nach dem Vorbild der Wiener Initiative vor, wonach Banken ihre griechischen Anleihen auf freiwilliger Basis länger behalten sollen. "Wir sind bereit, eine Lösung zu prüfen, die auf einer freiwilligen Verlängerung der Laufzeiten von Staatsanleihen beruht und unter keinen Umständen zu einem Kreditausfall führt."

Bundesbankpräsident Jens Weidmann äußerte hingegen Zweifel am Sinn einer Beteiligung privater Gläubiger an den Kosten der Griechenlandkrise. Zugleich machte er deutlich, dass die Notenbanken keine weiteren Risiken übernehmen würden. Zu einem umfassenden Hilfsprogramm gehöre daher auch die Bereitstellung ausreichender Mittel für eine Absicherung des Bankensystems. "Die Politik kann nicht davon ausgehen, dass die Notenbanken des Euro-Systems auch für die Anleihen in ihrem Bestand einer Laufzeitverlängerung zustimmen", schrieb Weidmann in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung. Auch Anleihen von als insolvent bewerteten Staaten würden nicht als Pfand akzeptiert.

Angesichts der Risiken stelle sich die Frage nach dem Sinn einer Beteiligung privater Gläubiger. "Denn weil schon umfangreiche staatliche Hilfen geleistet wurden, sind die Bestände an griechischen Staatsanleihen im privaten Besitz – mit Ausnahme griechischer Banken – längst nicht mehr so hoch wie oft vermutet." Daher wäre die faktische Kostenbeteiligung des privaten Sektors wohl begrenzt.

Griechenland hatte vor rund einem Jahr ein Hilfspaket von 110 Milliarden Euro vom IWF und aus Europa bekommen. Da sich die griechische Wirtschaft schlechter als vorhergesagt entwickelt, sind nun neue Hilfen notwendig. Die Details dazu werden derzeit noch besprochen. Im Gespräch ist ein Volumen von 120 Milliarden Euro.