Die Bundesregierung erwartet trotz des Verzichts auf eine obligatorische Beteiligung des Privatsektors an neuen Griechenland-Hilfen deutliche Beiträge der Banken und anderer privater Gläubiger. "Natürlich werden wir versuchen, einen substanziellen Betrag der privaten Gläubiger zusammenzubekommen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble bekräftigte die Forderung nach einem freiwilligen Beitrag des Privatsektors. "Die Lasten eines weiteren Paktes dürfen nicht nur auf den Schultern der Steuerzahler ruhen." Außenminster Guido Westerwelle (FDP) übte indirekt Kritik an Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker. "Ich warne davor, ein Land nach dem anderen ins Gerede zu bringen", sagte Westerwelle. "Das Vertrauen der Märkte wächst nicht, wenn wichtige europäische Persönlichkeiten Zweifel an der Kreditwürdigkeit säen."

Juncker hatte zuvor die deutsche Haltung stark kritisiert. "Weil wir aus deutschen innenpolitischen Gründen private Gläubiger beteiligen wollen, wird alles noch teurer", sagte er der Süddeutschen Zeitung. "Wir spielen mit dem Feuer", so Juncker. Innerhalb der Euro-Staaten gibt es starke Vorbehalte gegen eine Beteiligung des Privatsektors.

Merkel steht auch innenpolitisch unter Druck. Auf einer Konferenz der CDU-Kreisvorsitzenden in Berlin wurde sie hart angegangen. "Ich will nicht, dass die CDU wieder zu einem Kanzlerwahlverein wird", sagte etwa der Kreisvorsitzende Uwe Krombrink aus Coesfeld. Mit Hinweis auf die Abschaffung der Wehrpflicht und die Energiewende beklagte das Mitglied der Mittelstandsvereinigung der CDU, in der Partei werde zu wenig über entscheidende Kurswechsel diskutiert. Schlechte Umfragewerte und Parteiaustritte machen der CDU zu schaffen.

Innerhalb der Koalitionsfraktionen gibt es erhebliche Vorbehalte gegen die Bewilligung der neuen Griechenland-Hilfen. Mehrere Abgeordnete forderten Auflagen, zu den die Beteiligung des Privatsektors zählt. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer beispielsweise pocht auf eine verbindliche Beteiligung privater Gläubiger an den neuen Griechenland-Hilfen. Kritik kam auch vom FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler: "Das ist nicht die Gläubigerbeteiligung, die der Bundestag gefordert hat." Der CDU-Finanzpolitiker Manfred Kolbe sprach laut Spiegel von einem Etikettenschwindel.

Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy streben in der Griechenland-Krise eine Lösung nach der "Wiener Initiative" an. Dabei hatten sich 2009 mehrere westeuropäische Banken bereiterklärt, ihr Engagement in einigen von der Finanzkrise schwer getroffenen osteuropäischen Ländern beizubehalten. Die Entscheidung über die kurzfristigen, neuen Griechenland-Hilfen soll ein EU-Gipfel in der kommenden Woche fällen.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagte der Financial Times: "Wir stehen in einem Dialog um zu schauen, ob es irgendeine Art von Beitrag von der Investoren-Seite geben kann." Er bestätigte, man suche nach einem Weg für Griechenland-Hilfen, ohne damit irgendeine Form von "Kreditereignis" auszulösen. Im Fall eines solchen Ereignisses würden die Ratingagenturen einen Zahlungsausfall Griechenlands feststellen.

Im Europäischen Parlament wird unterdessen die Forderung laut, dass die griechische Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) den Sparkurs der Regierung nicht weiter blockiert. "Es ist inakzeptabel, wenn in Griechenland unsere politischen Partner jetzt kleinliche Innenpolitik betreiben. Griechenland muss liefern", sagte Manfred Weber, stellvertretender Vorsitzender der Europäischen Volkspartei (EVP), der Welt am Sonntag