Europa kämpft darum, einer Falle zu entkommen, die sich die Staatengemeinschaft selbst gestellt hat. Anfang 2010 wurde zweierlei offenbar: In den Bilanzen der Banken liegen öffentliche und private Schuldentitel, die dramatisch an Wert verloren haben. Und: Einige Länder der Euro-Zone, allen voran Griechenland, stehen kurz vor dem Bankrott.

In den folgenden Monaten entschied sich Europa dafür, die schlechte Verfassung des Bankensektors zu ignorieren, Griechenlands Insolvenz wie eine Liquiditätskrise zu behandeln und dem Land einen Sparkurs zu verordnen. Das alles hat die Krise noch verschärft.

Die Entwicklung hat uns gelehrt, dass der bisherige Kurs zu nichts führt. Im Gegenteil: Griechenland steckt noch tiefer in der Krise. Nicht, weil die verabreichte Medizin die falsche war oder weil sie falsch eingenommen wurde. Nein, die Medizin war hochgiftig und hatte fürchterliche Nebenwirkungen auf den gesamten europäischen Bankensektor.

Doch anstatt den Fehler einzusehen und einen neuen Kurs einzuschlagen, versucht sich Europa an einer Lösung, die sich an der Wiener Initiative orientiert. Die Euro-Staaten glauben, sie könnten Griechenlands größte Gläubiger überzeugen, freiwillig neue griechische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von sieben Jahren zu kaufen, sobald die alten auslaufen. Die Betonung liegt auf dem Wort freiwillig. Zwingt man die Gläubiger zu diesem Tausch, werden die Rating-Agenturen die Bonität Griechenlands auf "D" herabstufen. D wie Default, auf Deutsch: Pleite. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte griechische Anleihen nicht mehr als Sicherheit akzeptieren. Die Folge wäre eine Kaskade von Bankenpleiten in Europa.

Soweit ist es in der Euro-Krise gekommen: Nun streiten wir schon über die Definition des Wortes freiwillig. Philosophen und Linguisten hätten ihre wahre Freude daran. Sicher ist derweil: Kein Gläubiger, der bei vollem Verstand ist, wird sich dazu entscheiden, neue griechische Anleihen mit langer Laufzeit gegen alte einzutauschen. Wenn es sich also um eine echte Freiwilligkeit handelt, wird nur ein winziger Anteil der Schulden wirklich verlängert. Die ganze Aktion wäre sinnlos.

Die Alternative: Den Gläubigern werden zusätzliche Anreize geboten, neue griechische Staatsanleihen zu zeichnen. Ganz im Sinne der Mafia: "Wir machen Ihnen ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können." Wie diese Anreize aussehen könnten, wird gerade verhandelt.