Frage: Herr Rips, die Bundesregierung will Hausbesitzer und Vermieter jedes Jahr mit 1,5 Milliarden Euro bei der energetischen Sanierung ihrer Immobilien unterstützen. Wird das die Mieten weiter in die Höhe treiben, weil die Vermieter die Kosten für die Wärmedämmung auf die Mieter umlegen?

Franz-Georg Rips: Das wird so kommen. Aber ich möchte eines vorweg ganz deutlich sagen: Wir sind für den schnellen Atomausstieg, und wir brauchen Kompensationen durch erneuerbare Energien. Das wird zu höheren Strom- und Heizungspreisen führen, keine Frage. Man muss den höheren Aufwand aber gerecht verteilen, und zwar sowohl, was die Energiepreise angeht, als auch die Kosten für die Wärmedämmung der Häuser, also die energetische Sanierung. Ich finde: Ein Drittel müssen die Vermieter tragen, weil ihre Objekte durch die Sanierung höherwertiger und attraktiver werden, ein Drittel der Staat, weil die Reduzierung von CO2 im öffentlichen Interesse liegt, und ein Drittel die Mieter. Die Energiewende ist nötig, aber wir müssen die Kosten gerecht verteilen.

Frage: Derzeit können Vermieter elf Prozent der Sanierungskosten auf die Mieter umlegen – und zwar zeitlich unbegrenzt.

Rips: Das halte ich für völlig überzogen. Wir sollten diese einseitige Umlage abschaffen und stattdessen die Drittelung der Kosten einführen. Die Mieter in energetisch sanierten Wohnungen könnten dann beispielsweise über eine Zulage, die ein Drittel der Energieinvestitionen beträgt, beteiligt werden.

Frage: Wer profitiert von der aktuellen Rechtslage? Die Vermieter, weil sie ihre Sanierungskosten doppelt und dreifach zurückbekommen, oder die Mieter, weil sie dauerhaft Heizkosten sparen?

Rips: Natürlich hat auch der Mieter Vorteile, aber wir wissen aus allen wissenschaftlichen Untersuchungen, dass elf Prozent der Investitionskosten deutlich höher sind als die einsparbaren Heizkosten. Im Augenblick profitiert eindeutig der Vermieter – zumindest, wenn er die elf Prozent umlegen kann. Das kann er in vielen Gegenden nicht. In angespannten Märkten, also dort, wo Wohnungen jetzt schon knapp sind, kann er die Umlage aber dazu nutzen, unliebsame Mieter zu vertreiben.

Frage: Wie angespannt ist der Wohnungsmarkt? Wie viele Wohnungen fehlen?

Rips: Es gibt wissenschaftliche Erhebungen, die allerdings zu unterschiedlichen Zahlen kommen. Die Analysen schwanken zwischen 180.000 und 400.000 im Jahr. So viele Wohnungen müssten jedes Jahr neu gebaut werden, damit der Wohnungsmarkt ausgeglichen ist und die Mieten bezahlbar bleiben . Die Wohnungen müssten aber auch dort gebaut werden, wo man sie wirklich braucht.

Frage: Wo ist das?

Rips: In den Ballungsräumen, dazu gehören auch die begehrten Wohnlagen Berlins, und in allen Universitätsstädten fehlen Wohnungen.