Frage: Herr Zimmerer, wie viel Geld Ihrer Versicherten steckt in Griechenland, Irland oder Portugal?

Maximilian Zimmerer: Portugiesische und irische Staatsanleihen haben wir gar nicht, und unser Engagement in Griechenland ist marginal. Seit Ausbruch der Krise haben wir hier auch nichts Neues mehr gekauft. Wenn man Spanien noch dazunimmt, um das ich mir aber keine Sorgen mache, haben wir knapp 300 Millionen Euro in Staatsanleihen der sogenannten PIGS-Länder investiert. Das sind lediglich 0,2 Prozent unserer Kapitalanlagen.

Frage: Was fürchten Sie als großer Anleger am meisten an der Griechenlandkrise ?

Zimmerer: Man sollte Griechenland auf gar keinen Fall fallen lassen. Das würde das Land nicht verkraften. Außerdem würden auch noch andere in den Abgrund gerissen, etwa die griechischen Banken oder andere, die diesen Geld geliehen haben. Griechenland muss aber alles unternehmen, seine Staatsfinanzen zu sanieren. Dazu gehört der Verkauf von Immobilien und Staatsunternehmen, aber auch die Senkung staatlicher Leistungen, etwa in der Sozialversicherung.

Frage: Sind Privatanleger, die griechische Bonds kaufen, blauäugig, wenn sie erwarten, hohe Zinsen und eine vollständige Rückzahlung ihres Kapitals zu bekommen?

Zimmerer: Wenn jemand eine griechische Anleihe statt für 100 zu einem Kurs von 60 oder 70 kauft oder mit zweistelligen Zinsen, ist er bereit, Risiken einzugehen. Dann sollte er auch in Kauf nehmen, dass die Anleihe später zurückbezahlt wird oder der Zins nach unten angepasst wird. Europa wird zu entscheiden haben, in welchem Umfang die Gläubiger einen Beitrag zur Rettung Griechenlands zu leisten haben.

  Frage: Anderes Thema: Wer 30 Jahre lang jährlich 1200 Euro in eine Allianz-Lebensversicherung eingezahlt hat, bekäme heute knapp 90 000 Euro ausgezahlt. Wer 2011 eine Police abschließt, kann in 30 Jahren nur mit 65 000 Euro rechnen. Warum?

Zimmerer: Auf die 65 000 Euro kommt man, indem man unsere aktuelle Überschussbeteiligung einfach auf 30 Jahre hochrechnet. Dass die alten Verträge höhere Ablaufleistungen haben, liegt daran, dass die Zinsen an den Kapitalmärkten infolge einer höheren Inflation früher deutlich höher waren. Daher konnten wir unseren Kunden Überschussbeteiligungen von sieben oder acht Prozent zahlen. Heute sind es 4,7 Prozent.

Frage: Im nächsten Jahr wird die Garantieverzinsung, also das, was alle Versicherungskunden mindestens bekommen, von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent gesenkt. Wer schließt dann noch Lebensversicherungen ab?

Zimmerer: Sie müssen das Umfeld sehen. Die aktuelle Überschussbeteiligung von deutlich mehr als vier Prozent ist im Vergleich zu den Marktzinsen attraktiv. Bundesanleihen bringen zur Zeit nur 3,2 Prozent. Das ändert aber nichts daran, dass ich die Entscheidung des Finanzministeriums, die Garantiezinsen für Neuverträge abzusenken, aus heutiger Sicht für falsch halte.

Frage: Warum?

Zimmerer: Die Entscheidung ist Mitte August vergangenen Jahres vorbereitet worden, als wir den tiefsten Zins aller Zeiten hatten. Damals brachten Bundesanleihen gerade einmal zwei Prozent. Die Entscheidung ist aber erst später, im Februar 2011, verkündet worden. Zu diesem Zeitpunkt waren die Zinsen schon wieder deutlich gestiegen. Wir haben in den ersten vier Monaten dieses Jahres mit unseren Neuanlagen 4,4 Prozent Rendite erzielt.