Der Aufschwung verliert dem Bundesfinanzministerium zufolge an Kraft. "Die aktuellen Konjunkturdaten zeigen einen verhaltenen Start der deutschen Wirtschaft in das zweite Quartal", heißt es in dem Monatsbericht des Ministeriums. "Damit setzt sich der Aufschwung mit geringerem Wachstumstempo als zu Jahresbeginn fort." Mit 1,5 Prozent hatte es von Januar bis März ein ungewöhnlich starkes Wachstum gegeben. Der Internationale Währungsfonds hatte deshalb am Freitag seine Konjunkturprognose 2011 für Deutschland von 2,5 auf 3,2 Prozent angehoben.

Profitieren dürften die Unternehmen von der robusten Weltwirtschaft. "Die Aussichten für eine weitere Expansion der Warenexporte sind günstig", schreibt das Ministerium. "Stützend wirkt die hohe Wachstumsdynamik in den Schwellenländern." Auch der private Konsum werde seinen Aufwärtstrend fortsetzen. Der Verunsicherung der Verbraucher durch steigende Energiepreise, den Folgen der Krise in Nordafrika, der Schuldenentwicklung im Euro-Raum und der Atomkatastrophe in Japan stehe ein deutlicher Anstieg der Beschäftigung entgegen.

Mit Sorge sieht das Ministerium die sich ausbreitende Inflation. Bislang war die Rate vor allem von steigenden Energiekosten getrieben, nun erwartet das Ministerium Preissteigerungen auch für andere Waren und Dienstleistungen. Die Teuerungsrate hält sich seit Monaten über der Marke von zwei Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht.

Der Bund und die Länder profitieren weiter von der guten Konjunktur und der Zunahme der Beschäftigung. Die Steuereinnahmen kletterten im Mai zum Vorjahresmonat um 10,1 Prozent auf etwa 42 Milliarden Euro, wie das Bundesfinanzministerium mitteilte. Damit flossen in den ersten fünf Monaten des Jahres über 203 Milliarden Euro in die Kassen der Finanzminister – das sind 9,2 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2010. Setzt sich die Entwicklung fort, kann der Fiskus 2011 mit erheblich höheren Einnahmen rechnen als die Steuerschätzung vorhergesagt hatte: Sie erwartet für das Jahr ein Plus von 4,4 Prozent.

Die Lohnsteuereinnahmen legten im Mai um 16,3 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro zu. "Dieser sehr kräftige Zuwachs hat seine Ursache im Anstieg der Zahl der Beschäftigten, dem massiven Abbau der Kurzarbeit gegenüber dem Vorjahr und nicht zuletzt auch in Tarifsteigerungen und wieder höheren Bonuszahlungen", heißt es im Monatsbericht.