Die Versicherten von mehr als 20 gesetzlichen Krankenkassen müssen sich auf weitere Zusatzbeiträge oder Einschränkungen von Leistungen einstellen. Der Grund sind mangelnde finanzielle Rücklagen: Ein Viertel der beaufsichtigten Kassen lägen unter dem Mindestsoll, sagte der Sprecher des Bundesversicherungsamts (BVA), Tobias Schmidt. Um welche Kassen es sich konkret handelt, sagte er nicht. Derzeit stehen von den rund 150 Krankenkassen 93 unter Aufsicht des BVA, vor allem Betriebs- und Ersatzkassen.

Auch größere Kassen befänden sich unter den Versicherungen mit zu geringer Reserve, sagte Schmidt. Bei manchen der betroffenen Kassen seien die Probleme größer, bei anderen geringer. Bis zum Aufstellen der Haushaltspläne fürs kommende Jahr im November müssten sich die betroffenen Kassen "Gedanken machen". Das bedeute aber nicht, dass diese Versicherungen vor der Pleite stünden.

Sparen könnten die betroffenen Kassen mit dem Abbau freiwilliger Leistungen oder von Personal. Auch weitere Zusatzbeiträge sind denkbar. "Krankenkassen, die mit dem Geld, das sie aus dem Gesundheitsfonds bekommen, nicht auskommen, müssen Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern erheben", sagte CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahr. Darauf müsse auch die Aufsicht bestehen.

Eine Sprecherin des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen (BKKen) sagte, ihr lägen keine Zahlen vor, die auf eine Schieflage weiterer BKKen hindeuteten. Die Ersatzkassen wie Barmer GEK, Techniker Krankenkassen oder DAK hatten im ersten Quartal sogar 518 Millionen Euro Überschuss, wie eine Sprecherin ihres Verbands sagte. Das zeige, dass die Finanzsituation solide ist.

Mit der City BKK muss die erste Kasse seit dem Start des Gesundheitsfonds zum 1. Juli schließen. Derzeit braucht die bankrotte Kasse Hilfe von Mitarbeitern anderer Versicherungen, um unbearbeitete Post zu bewältigen, wie Kassenvorstand Oliver Reken der Zeitung Die Welt sagte. "Es gibt in vier Leistungsbereichen Rückstände bei der Bearbeitung." Um das aufzuholen, müssten von dieser Woche an 43 Mitarbeiter von anderen Kassen aushelfen. "Bis zum 30. Juni sollen alle unbearbeiteten Leistungsanträge erledigt sein", sagte Reken.

Reken kritisierte zugleich das Verhalten der anderen Krankenkassen. "Hätten alle anderen Kassen unsere Versicherten ohne Verzögerung aufgenommen, wäre das Problem nicht so groß", sagte Reken. Viele City-BKK-Versicherte waren von anderen Kassen abgewiesen worden. Der Barmer-GEK-Sprecher Athanasios Drougias wies den Vorwurf zurück: "Das Organisations- und Personalmanagement der City BKK befindet sich auf Steinzeitniveau."

Von den ursprünglich 136.000 Mitgliedern der City BKK haben immer noch rund 40.000 keine neue Versicherung. Sie würden nun nochmals angeschrieben, müssten sich aber keine Sorgen um ihren Versicherungsschutz machen, teilte Sprecher Torsten Nowak mit. Die "City BKK Körperschaft in Abwicklung" als Nachfolgeorganisation auf Zeit zahle zum Beispiel, wenn ein Versicherter Ende Juni ins Krankenhaus müsse und die Rechnung erst später komme.

Die Versicherten der City BKK haben offiziell bis Mitte Juli Zeit, sich eine neue Kasse zu wählen. Lassen sie diesen Termin verstreichen, suchen der Arbeitgeber, die Bundesanstalt für Arbeit oder die Rentenversicherung eine neue Kasse aus und melden den Versicherten dort an. Das könnte aber bis Mitte August oder sogar noch länger dauern.