Zwei Dörfer nach der Flut, zwei Geschichten.

Die erste spielt in Ali Bux Burfat, einer Siedlung abseits der Landstraße nach Hyderabad im Süden Pakistans. Das Wasser ist längst verschwunden, als ein Mann aus der Stadt das Grundstück von Mariam Longu-Bufat besucht. Der Entwicklungshelfer kommt mit guten Nachrichten. Er werde die Häuser wieder aufbauen, die von der Flut zerstört wurden, verspricht er, mit Geld aus dem Westen. Er fragt Mariam: Möchtest du ein Haus aus Stein oder Lehm? Aus Stein, antwortet sie. Steinhäuser, sagt Mariam, haben sonst nur reiche Leute in der Stadt.

Mariam Longu-Bufat, eine Witwe um die 50, steht auf ihrem Grundstück, trockenes, ödes Land. Von hier sah sie vor elf Monaten die Flut kommen. Das Wasser habe an einem Nachmittag Ende Juli das Dorf erreicht, und es sei weit mehr gewesen als in den Jahren zuvor. Fast zwei Meter hoch habe es im Ort gestanden, es habe die Lehmhütten umspült und in sich zusammen fallen lassen und die Ernte der Männer im Dorf vernichtet.

Ihr Vieh aber habe überlebt. Und der Mann mit dem Geld aus dem Westen habe sein Versprechen gehalten.

Handwerker kamen und bauten im Ort neue Häuser. Einige Dutzend stehen nun im Dorf, unter dem Giebel prangt das Logo der Hilfsorganisation. Und die Regierung in Islamabad hat ihr die versprochene Soforthilfe gezahlt, sagt Mariam, umgerechnet rund 160 Euro. Ihr Leben wäre sogar etwas besser als vor der Flut, wäre da nicht die schlechte Ernte. Die Flut habe die Böden versalzen, sagt Mariam. "Es wird mühsamer sein, die Äcker zu bewirtschaften."

Die zweite Geschichte spielt nur ein paar Kilometer weiter, man fährt eine staubige Straße bis an ihr Ende, dort liegt der Ort Umir Gemiso.

Die Dorfgemeinschaft hat sich unter einem Zelt versammelt, die Sonne strahlt, der Wind wirbelt Staub vom Boden auf. Die Gesichter der Männer und Frauen sind schmal und ausgezehrt. Viele im Dorf seien an Hepatitis erkrankt, sagt ein Arzt, der oft in den Ort fährt. Bis zu den Schultern stand die Flut vor elf Monaten, erzählen die Männer. Später, als die Wassermassen sich zurückzogen, fanden sie ihren Ort zerstört vor. Vom Geld der Regierung haben die meisten nichts gesehen. Und niemand kam, um ihnen Steinhäuser zu bauen.