Eigentlich ist Samcheok eine verschlafene Stadt an der koreanischen Ostküste. Wären da nicht die Atommeiler des Ortes. Die Kernenergie spielt eine zentrale Rolle in der Energieversorgung des Landes. Doch seit Fukushima fürchten viele Südkoreaner die Risiken. In Samcheok gingen sie erst vor wenigen Tagen auf die Straße.

"Nuklearfreies Korea, nuklearfreies Samcheok!" riefen die Demonstranten. Sie schwenkten Transparente und hielten Schilder in die Luft. Per Megafon forderten sie die Stilllegung aller koreanischen Atomkraftwerke und den Stopp der Planungen, die den Bau von sieben weiteren Reaktoren vorsehen. Unterstützung erhielten sie vom Meer aus, wo die Umweltorganisation Greenpeace mit ihrem Segelschiff Rainbow Warrior Anker geworfen hatte.

Die Öko-Aktivisten waren auf "Nuclear Free Korea"-Mission. Denn das Land setzt immer mehr auf Atomkraft – trotz der bekannten Risiken und auch trotz der Kernschmelzen im gerade einmal tausend Kilometer entfernten Fukushima im März. Südkorea will den eigenen Strombedarf bis 2030 zu über 40 Prozent aus nuklearer Energie decken. Im Moment sind es 23 Prozent. Vor allem aber will die Regierung die Technologie auch ins Ausland verkaufen. In den kommenden Jahren soll Südkorea unter die Top drei der Atomkraftwerksexportnationen aufsteigen. Atomenergie soll die südkoreanische Abhängigkeit von Energieimporten verringern und den CO2 Ausstoß verringern, das ist der Plan.

Im Januar 2010 erklärte das Ministerium für Wissenswirtschaft in Seoul, Südkorea strebe bis 2030 ein totales Exportvolumen von 80 Atomreaktoren im Wert von 400 Milliarden US-Dollar an. Nach der Auto-, Halbleiter- und Schiffbauindustrie soll die Atomkraft zum vierten Standbein des Landes ausgebaut werden. Bis 2030 soll beinahe jedes dritte in der Welt gebaute Atomkraftwerk aus Südkorea stammen.

Verträge für ein prestigeträchtiges Mammutprojekt sind bereits unterschrieben: Südkorea verkauft vier Nuklearanlagen in die Vereinigten Arabischen Emirate. Die staatseigene Korea Electric Power Corporation (Kepco) erhielt den Zuschlag für das 19 Milliarden teure Vorhaben. Der Auftrag ist strategisch so wichtig, dass Präsident Lee Myung-bak unmittelbar nach der Katastrophe in Japan nach Abu Dhabi reiste um persönlich auf die Vorteile der koreanischen Technologie hinzuweisen. Südkorea, das stark von Ölimporten abhängig ist, sicherte sich im Gegenzug Ölvorkommen.

Weltweit bewirbt die koreanische Regierung Atomkraft als saubere Energie. Die Kepco-Atomsparte, Kepco Nuclear Fuel, preist sich selbst als CO2 vermeidendes, grünes Vorzeigeunternehmen, das den "Weg zu einer wohlhabenden Gesellschaft, in der Mensch und Natur in Harmonie leben", bereite. Die Korean Nuclear Energy Promotion Agency (Konepa), geht sogar noch einen Schritt weiter. Dort ist Atomenergie "die Energie, die dein Leben glücklicher macht".